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Kritik: The Cakemaker (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Mit dieser romantischen, melancholischen Dreiecksgeschichte gibt der israelische Regisseur Ofir Raul Graizer sein Langfilmdebüt. Es bekam bereits zahlreiche Festivalpreise und wurde von Israel 2018 auch für den Oscar-Wettbewerb eingereicht. Im Zentrum steht Thomas, ein junger Deutscher aus Berlin, dessen Freund in Jerusalem als braver Familienvater lebt. Aber während der häufigen Besuche des Israelis Oren in Berlin sind die beiden Männer ein Paar – bis zu Orens plötzlichem Tod. Thomas fährt nach Jerusalem und tritt ins Leben der Witwe, ohne seine Identität zu enthüllen. Die zärtliche Zuneigung, die sich zwischen der Café-Besitzerin Anat und ihm entwickelt, ist unausgesprochen eine Art gemeinsamer Trauerarbeit.

Denn indem sich Thomas und Anat nahe sind, spüren sie jeweils auch ihrer Beziehung zu Oren nach. Der wortkarge Thomas, der sich mit seiner Backkunst in Anats Café bald unentbehrlich macht, gibt der Witwe auch wieder Halt im Leben. Ihr Schwager Motti ist zwar hilfsbereit, aber seine religiös motivierte Einmischung in ihre Angelegenheiten geht ihr auf die Nerven. Mit bemerkenswerter Offenheit thematisiert der Film den gesellschaftlichen Konflikt zwischen konservativen Gläubigen und Israelis, denen zumindest manche der zahlreichen Koscher-Vorschriften antiquiert vorkommen oder nichts bedeuten.

Thomas ist, wie er selbst irgendwann sagen wird, das Alleinsein gewöhnt, er erträgt auch das Gefühl, ein Fremder zu sein, wie es ihm Motti vermittelt, ungerührt. Die Art, wie er den Hefeteig knetet, die Kekse verziert, strahlt eine Ruhe und Sicherheit aus, die Anat imponiert und guttut. Tim Kalkhof spielt Thomas auf beeindruckende, bewegende Weise als wortkargen, introvertierten Menschen, der seine Gefühle indirekt ausdrückt, über seine Arbeit. Die langen Einstellungen und die oft statische Kamera wirken wie auf seinen Charakter zugeschnitten. Das Backen rückt als sinnlicher Vorgang ins Bild.

In Rückblenden erhält die Beziehung von Thomas und Oren mehr Substanz, wird zugleich in der Montage sehr eng mit der Gegenwart verflochten. Warum Thomas jedoch Anat sein Geheimnis nicht verrät, bleibt ein Stück weit rätselhaft. Dennoch entfaltet dieser leise Film eine berührende Poesie.

Fazit: Das Langfilmdebüt des israelischen Regisseurs Ofir Raul Graizer ist eine berührende romantische Dreiecksgeschichte. Sie schlägt eine Brücke zwischen zwei Kulturen und zwischen gleichgeschlechtlicher und heterosexueller Liebe. Denn der Deutsche Thomas reist nach Jerusalem, um die Frau seines verstorbenen Geliebten kennenzulernen. Sie entwickelt Gefühle für diesen Mann, der ihr die Wahrheit über sich verschweigt – aber Worte sind in diesem Film nicht das wichtigste Mittel der Kommunikation.




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