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Piripkura - Die Suche nach den Letzten ihres Volkes -
Piripkura - Die Suche nach den Letzten ihres Volkes -
© mindjazz pictures

Kritik: Piripkura - Die Suche nach den Letzten ihres Volkes - (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Dieser brasilianische Dokumentarfilm von Renata Terra, Bruno Jorge und Mariana Oliva verweist mit seltener Offenheit auf den Völkermord, der im Amazonasgebiet in den vergangenen Jahrzehnten mit den Urwaldrodungen einherging und der selbst heute nicht zu Ende ist. Jair Candor, der Koordinator der brasilianischen Indigenenschutzbehörde Funai, weiß, dass die letzten beiden Piripkura, die in den Wäldern abseits der Zivilisation leben, in ständiger Gefahr schweben. Wenn sie einem Holzfäller oder Goldsucher begegnen, werden sie höchstwahrscheinlich erschossen, befürchtet er. Pakyî und Tamanduo, deren Stammesangehörige von den Weißen in den 1980er Jahren ermordet oder vertrieben wurden, lassen sich bereitwillig und höflich eine Weile lang von Jair und seinen Begleitern fotografieren und filmen, bevor sie wieder im Regenwald verschwinden. So bietet der Film dem Publikum die wohl einzige Gelegenheit, diese Menschen kennenzulernen, deren Volk die moderne Zivilisation keinen Platz auf der Erde zugestand.

Mit diesem Wissen im Hinterkopf stimmt es den Betrachter sehr traurig, wenn Pakyî und Tamanduo nach ihrem Besuch auf der Funai-Station wieder "Ciao" sagen. Sie gehen hinein in die grüne Wildnis, die ihnen Schutz und Freiheit bietet, mit ihrer Feuerfackel, zwei Tüten mit Geschenken und bekleidet mit ihren neuen T-Shirts. Jair weiß selbst nicht, wann er sie wiedersehen wird. Mit ihm hat das Publikum die beiden Indigenen als höflich und freundlich erlebt, obwohl sie die Sprache der Behördenvertreter, die sie medizinisch untersuchten, ihre Handys zückten, am Abend auf den Fernseher starrten, nicht verstanden. Der Onkel und sein Neffe bewiesen Humor, sie lachten über das Gestikulieren der Weißen und ihre Späße.

Jair erzählt im Film, wie er in den 1960er Jahren Zeuge der Mordattacken auf indigene Stämme wurde. Regenwaldbewohner galten den Siedlern, Farmern und Holzfällern als "Tiere", die erschossen werden durften, ohne dass es jemanden kümmerte. Anwohner bildeten Trupps, die nachts in den Wald gingen, über eine Indigenengemeinschaft herfielen, das Langhaus in Brand steckten, alle Menschen umbrachten. Die Überzeugung, dass die Waldbewohner ausgelöscht werden müssten, weil sie dem Fortschritt im Wege stünden, sei heute noch verbreitet, sagt Jair. Er blickt mit Sorge in die Zukunft. Es glauben eben noch zu viele Zeitgenossen, nicht nur in Brasilien, dass Fortschritt in der Ausbeutung der Natur besteht.

Fazit: Der bewegende Dokumentarfilm aus Brasilien lenkt die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die Auslöschung der Piripkura, einem Indigenenvolk im Amazonasgebiet, das der Rodung des Urwalds weichen musste. Zwei Männern dieses Stammes gelang es, im Schutz des Dschungels zu überleben. Die Kamera folgt einem Vertreter der staatlichen Indigenenschutzbehörde auf der Suche nach den Männern in die Wildnis. Von ihrer Existenz ist es abhängig, ob das Landnutzungsverbot, das diesem Dschungelgebiet die vielleicht letzte Gnadenfrist gibt, wieder um zwei Jahre verlängert wird.




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