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Lucica und ihre Kinder
Lucica und ihre Kinder
© B. Braun Produktion

Kritik: Lucica und ihre Kinder (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Meist macht Lucica gute Miene zum bösen Spiel. Hinter ihrem Lächeln sind ihr die Sorgen aber anzusehen. Es ist bewundernswert, mit welch stoischer Ruhe die junge Mutter ihren Alltag stemmt, der jeden anderen zur Verzweiflung triebe. Und doch mischt sich in diese Bewunderung ein wenig Unverständnis. Nicht jede von Lucicas Entscheidungen ist für Außenstehende nachvollziehbar. Als Zuschauer stutzt man ebenso wie Regisseurin Bettina Braun.

Braun ist nah dran an ihren Protagonisten, am Ende vielleicht zu nah. Mit kleinem Team gedreht, bewegt sich die Kamera wie ein zusätzliches Familienmitglied durch die enge Wohnung. Alle sechs Kinder nennen die Filmemacherin freudig beim Namen. Stefan, der Älteste, dient ihr als Mittler im Sprachengewirr aus Rumänisch, Deutsch und Englisch. In den Unterhaltungen klingt immer wieder durch, dass Braun Lucica ab und an finanziell über die Runden hilft. Selbst im Bild ist die Regisseurin nur einmal, als sie ein Telefonat für Lucica übernimmt. Sonst bleibt sie eine Stimme aus dem Off, die sich Lucica und damit zumindest indirekt auch dem Publikum erklärt. Wie groß Brauns Hilfe letztlich ist, bleibt offen und ist die große Schwäche eines Films, der zwar viele Fragen, aber nicht immer die richtigen stellt.

Seine Stärke ist ein präzises Hinsehen, wo andere wegschauen. In "Lucica und ihre Kinder" erfährt das Publikum viel Gutes über ein so häufig gescholtenes Bildungssystem und viel Schlechtes über den offenen Markt, auf dem Stromanbieter ungehindert ihr Schindluder mit offensichtlich überforderten und fehlinformierten Kunden treiben können. Vor allem aber, denn darum kreist der Film, erfährt das Publikum etwas über Familie, jenes seltsame Gebilde, das einen jeden fürs Leben prägt, ob es einem lieb ist oder nicht.

Fazit: "Lucica und ihre Kinder" ist ein fein beobachteter Dokumentarfilm über eine starke Mutter und ihre Familie. Die Zuschauer lernen viel über unsere Gesellschaft, erfahren aber zu wenig über das Verhältnis der Regisseurin zu ihrer Protagonistin.




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