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Kritik: Mein liebster Stoff (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Der Stoff, den Verkäuferin Nahla (Mana Issa) am liebsten auf der Haut spürt, ist ihr rosafarbenes Nachthemd, das sie während der intimen Treffen mit einem geheimnisvollen Fremden (Metin Akdülger) trägt. Ob es sich bei diesen schwerelosen, von Peer Kleinschmidts reduzierter Klavier- und Streicherkomposition begleiteten Szenen um (Wunsch-)Träume oder Erinnerungen handelt, bleibt wie so vieles in Gaya Jijis Langfilmdebüt in der Schwebe.

Jiji erzählt von einer verschlossenen Frau in einer sich zunehmend verschließenden Gesellschaft. Während der nächtlichen Taxifahrten auf dem Rückweg von ihrer Arbeit erspäht Nahla Regierungstruppen auf den Hausdächern. Durch ihre eigene Familie geht politisch ein Riss. Während die Syrer auf der Straße für mehr Freiheit ihr Leben riskieren, zieht sich Nahla immer weiter in sich selbst zurück, bis sie das Haus schließlich gar nicht mehr verlässt. Tagsüber mietet sie sich bei ihrer Nachbarin ein, um dort durch Türen zu linsen und an den Wänden zu lauschen.

Jiji hat diese Mischung aus (sexuellem) Wunsch und Wirklichkeit wie einen kammerspielartigen Traum inszeniert. Außenaufnahmen sind selten. Damaskus' altes Stadtbild aus vorrevolutionären Zeiten ist nur in wenigen Archivaufnahmen präsent. Mit seiner Protagonistin schließt sich auch der Film immer mehr ein. Die Ereignisse auf den Straßen dringen nur durch Radio und Fernsehen nach drinnen. Erst ganz am Schluss, als sich Nahla befreit hat, weitet auch Jiji wieder den Blick.

"Mein liebster Stoff" ist eine Mischung aus politischer Realität und poetischer Weltflucht, ein modernes "Tausendundeine Nacht" in Baschar al-Assads Syrien mit einer Protagonistin, die die stumme Voyeurin gibt. Das funktioniert allerdings nur leidlich, weil Nahla bis zuletzt eine unzugängliche Hauptfigur bleibt, die die Zuschauer nicht an ihrer Gedanken- und Gefühlswelt teilhaben lässt. Mit ihr dreht sich auch die Handlung, die Jiji in Zusammenarbeit mit Zoé Galeron und Eiji Yamazaki verfasst hat, schnell im Kreis und macht die 96 kurzen Minuten unglaublich zäh.

Fazit: In seinen besten Momenten ist "Mein liebster Stoff" eine schwerelose Mischung aus (Wunsch-)Traum und Wirklichkeit. Insgesamt fehlt Gaya Jijis Langfilmdebüt allerdings sowohl eine zugängliche Hauptfigur als auch eine schlüssige Handlung. Das macht die kurzen 96 Minuten unglaublich zäh.




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