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Rafiki
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© Salzgeber & Co. Medien GmbH

Kritik: Rafiki (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Mit "Rafiki" hat die in Nairobi geborene Regisseurin, Drehbuchautorin und Co-Produzentin Wanuri Kahiu Filmgeschichte geschrieben: Ihr Werk feierte im Mai 2018 in der Sektion "Un Certain Regard" in Cannes Premiere – und wurde damit zur ersten kenianischen Produktion, die jemals auf dem mehr als 70 Jahre alten Festival präsentiert wurde. In Kahius Heimat wurde der Film zunächst verboten; später konnte eine einwöchige Kinoauswertung durchgesetzt werden. Aber die queere Coming-of-Age-Story, die hier geschildert wird, ist nicht nur aus historischen und politischen Gründen bemerkenswert. Die leuchtenden Farben sowie der mitreißende Pop-Soundtrack und die optimistische (jedoch niemals naiv-eskapistische) Haltung der Erzählung sind wunderbare Ausdrucksmittel einer Strömung, die unter der Bezeichnung "Afrobubblegum" für eine hoffnungsvoll-bunte Sicht auf den Kontinent eintritt.

Dies führt zu Bildern und Tönen, die begeistern – etwa wenn zu Beginn zu den Klängen des Dancehall-Hits "Suzie Noma" das lebhafte Treiben in den Straßen eingefangen wird oder wenn die beiden Protagonistinnen Kena und Ziki ihr erstes Date haben, das beim nächtlichen Tanz seinen Höhepunkt findet. Die Inszenierung ist sinnlich, wild und im besten Sinne überbordend, blendet die Realität aber nicht aus: Wenn die beiden Frauen aufgrund ihrer Liebe zueinander von einem brutalen Mob angegriffen werden, wird deutlich, wie sehr das Leben (nicht nur) in Kenia noch von Homophobie geprägt ist. Auch in anderen Momenten wird dies spürbar, zum Beispiel im Gottesdienst oder in den Kränkungen, denen sich ein junger schwuler Mann aus der Nachbarschaft ausgesetzt sieht. Der Plot, welcher auf der Kurzgeschichte "Jambula Tree" (2008) der ugandischen Schriftstellerin Monica Arac de Nyeko basiert, verzichtet trotz der beinahe klassischen Romeo-und-Julia-Prämisse um konkurrierende Familien und heimliche Gefühle zwischen den Kindern auf stereotype Figuren und melodramatische Situationen. Klug und differenziert wird die Selbstermächtigung der zwei Heldinnen gezeigt.

Die Hauptdarstellerinnen Samantha Mugatsia und Sheila Munyiva, die hier beide ihr Leinwanddebüt geben, agieren mit großartiger Energie und lassen uns in intensiven Blickwechseln erkennen, wie etwas Echtes, Unaufhaltsames und Schönes zwischen Kena und Ziki entsteht und wie die beiden sich gegenseitig dazu bringen, Grenzen zu sprengen und über sich hinauszuwachsen.

Fazit: Ein filmisches Wunder voller Schönheit, Kraft und Hoffnung, mit atemberaubenden Aufnahmen, starken Beats und einem hervorragenden Schauspiel-Duo im Zentrum.




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