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Ein königlicher Tausch
Ein königlicher Tausch
© Alamode Film

Kritik: Ein königlicher Tausch (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Spielfilme über die Schattenseiten des angeblich so privilegierten königlichen Lebens vergangener Jahrhunderte erleben gerade eine kleine Konjunktur. Der griechische Regisseur Yorgos Lanthimos befasst sich in seinem 2018 erschienenen Film "The Favourite – Intrigen und Irrsinn" mit zum Titel passenden Ereignissen am Hofe der englischen Königin Anne Stuart im frühen 18. Jahrhundert. Nicht viel später finden die Ereignisse am französischen und spanischen Hof statt, von denen der französische Regisseur Marc Dugain in "Ein königlicher Tausch" erzählt. Der auf einem Roman von Chantal Thomas basierende Kostümfilm nimmt die Einsamkeit und Konfusion der Thronfolger und der jungen herrschaftlichen Töchter ins Visier, die einander schon im Kindesalter versprochen werden. Die Liebe spielt bei diesen Eheanbahnungen keine Rolle, denn sie dienen der Staatsräson und der Sicherung der Macht.

Die vier Hauptcharaktere sind hier Kinder und Teenager, die von Erwachsenen gegängelt werden. Der französische König Ludwig XV. ist ein nachdenklicher Junge, dessen trauriger, kindlicher Ernst die gesamte Filmatmosphäre prägt. Seine kleine Verlobte hat ein fröhliches Gemüt und himmelt ihn geradezu an – mehr, als ihr guttut. Denn Ludwig XV. ist in der Pubertät, er kann mit einem kleinen Mädchen wenig anfangen und die besagte Staatsräson bald auch nicht mehr. Der spanische Königssohn Ludwig wird von seinem Vater unwirsch herumkommandiert wie ein Tölpel. Die ihre Rolle ablehnende Rebellin, die ihm zur Frau bestimmt ist, könnte gegensätzlicher nicht sein. Aber diese beiden Außenseiter entwickeln eine gemeinsame Sprache des Herzens – und bescheren dem Film seine bewegendsten Momente. Die schauspielerischen Leistungen aller vier jungen Darsteller sind bemerkenswert.

Eine gute Prise ironischen Humors durchzieht das Drama, das auch mit seinen visuellen Reizen zu überzeugen vermag. Der königliche Tausch beispielsweise wird wunderbar anschaulich inszeniert, mit den beiden Kutschen der zur Ehe bestimmten Mädchen, die in die entgegengesetzte Richtung fahren. Auf einer Insel an der Grenze wechseln die beiden Mädchen in einer feierlichen Zeremonie die Fahrzeuge und das Gefolge. Sie sind die wahren Opfer des Arrangements als lebende Geschenke, die ihren Zweck erfüllen müssen. Dieser epische Kinogenuss verbindet Unterhaltung mit dramatischer Tiefe.

Fazit: Unter der Regie von Marc Dugain entfaltet dieser am französischen und spanischen Hof des 18. Jahrhunderts spielende Kostümfilm seine dramatischen und visuellen Reize überzeugend. Er erzählt einfühlsam von der Einsamkeit seiner Hauptcharaktere im Kindes- und Jugendalter. Ludwig XV. und der spanische Prinz Ludwig müssen die ihnen zugewiesenen Verlobten aus dem Nachbarland willkommen heißen, die sich in der Fremde verloren fühlen. Der atmosphärisch dichte, epische Film inspiziert den Unterschied zwischen Privilegien und Glück in diesen königlichen Biografien mit kritischem Ernst, der eine Prise Humor nicht ausschließt.




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