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Lieber Antoine als gar keinen Ärger
Lieber Antoine als gar keinen Ärger
© Neue Visionen

Kritik: Lieber Antoine als gar keinen Ärger (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der 1964 geborene Filmemacher Pierre Salvadori hat schon in zahlreichen seiner Arbeiten – etwa in "Der Killer und das Mädchen" (1993), "Alle lieben Blanche" (2003) oder "Liebe um jeden Preis" (2006) – Romantik mit Chaos, schwarzem Humor und Kriminalität verbunden. Auf unterhaltsame Weise gelingt ihm dies auch in seiner neuen Arbeit "Lieber Antoine als gar keinen Ärger", in welcher die verwitwete Polizistin Yvonne Wiedergutmachung für die Taten ihres betrügerischen Gatten leisten will und sich deshalb an die Fersen des frisch entlassenen Antoine heftet, der unschuldig im Knast saß.

Dies führt rasch zu Situationen voller Irrwitz und Absurdität, die Salvadori mit dem nötigen Tempo auf die Leinwand bringt. Das Skript, das der Regisseur gemeinsam mit Benoît Graffin und Benjamin Charbit geschrieben hat, und die Inszenierung sind nicht frei von ein paar Kruditäten; nicht jeder Gag vermag zu funktionieren. "Lieber Antoine als gar keinen Ärger" erweist sich jedoch als Quelle herrlicher Screwball-Passagen. Yvonne und Antoine bauen eine Beziehung zueinander auf, die auf etlichen Missverständnissen basiert – während Antoine zugleich seine Freundin Agnès liebt und Yvonne von ihrem Kollegen Louis angehimmelt wird. Die Gefühlswirrungen innerhalb dieses Quartetts sind erfreulich unvorhersehbar – und werden von Adèle Haenel ("Das unbekannte Mädchen"), Pio Marmaï ("Der Wein und der Wind"), Audrey Tautou ("Die fabelhafte Welt der Amélie") und Damien Bonnard ganz wunderbar gespielt.

Zu den vielen Ideen, mit denen der Film aufwartet, gehören die Gutenachtgeschichten, die Yvonne ihrem Sohn erzählt: Während der Ehemann beziehungsweise Vater darin zunächst als strahlender Actionheld erscheint, werden die Schilderungen immer fieser, nachdem Yvonne die Wahrheit über ihren verstorbenen Gatten erfahren hat. Hinzu kommen überdrehte Slapstick-Einlagen und ein paar überraschend zauberhafte Dialoge.

Fazit: Ein widerspenstiger Mix aus Liebe und Gaunerei mit einer Fülle an Einfällen und einem sympathisch-beherzt agierenden Schauspiel-Quartett im Zentrum.




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