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Der Klavierspieler von Gard du Nord
Der Klavierspieler von Gard du Nord
© Neue Visionen

Kritik: Der Klavierspieler vom Gare du Nord (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"Der Klavierspieler vom Gare du Nord" ist der dritte eigene Film des französischen Regisseurs Ludovic Bernard. Zuvor war er lange als Regie-Assistent tätig, darunter bei größeren Produktionen wie "Arséne Lupin" (2004) oder "22 Bullets" (2010). Für Hauptdarsteller Benchetrit handelt es sich um den vierten Kinofilm, den er in seiner noch jungen Karriere bislang gedreht hat.

Die Mischung aus Sozialdrama und Musikfilm erzählt konsequent und ohne Umschweife die klassische Story eines unterschätzten, auf die schiefe Bahn geratenen Underdogs, der die Chance seines Lebens erhält. Getragen wird der Film dabei in erster Linie vom stimmigen und jederzeit passenden Einsatz der Musik, die Bernard gekonnt mit der Handlung verwebt. Und: von der überragenden Leistung des spielfreudigen, jederzeit leidenschaftlich agierenden Ensembles. Das fängt bei Hauptdarsteller Benchetrit an, der seine Figur sehr glaubhaft zwischen rebellischem, wütendem Kleinkriminellen und empfindsamem Musikgenie anlegt.

Wie gewohnt stilvoll, elegant und ebenso unnahbar-unterkühlt tritt Kristin Scott-Thomas als despotische, perfektionistische Klavierprofessorin auf, die Mathieu unterrichtet. Und auch Lambert Wilson agiert als ambivalenter Charakter, der etwas zu verbergen hat, authentisch. Dass die Verhaltensweisen seiner Figur nicht immer glaubwürdig daherkommen und seine Motivation sowie Einsatzbereitschaft für den straffällig gewordenen Mathieu lange Zeit undurchsichtig erscheinen – geschenkt.

Schlimmer wiegt da schon die Tatsache, dass "Der Klavierspieler vom Gare du Nord" eine allseits bekannte Geschichte vom aus ärmlichen Verhältnissen stammenden Kriminellen erzählt, der sich als großes (in diesem Fall: musikalisches) Talent erweist. Eines Mannes also, der auf die wohlhabenden Mitglieder der besseren Gesellschaft trifft, die in den teuersten Restaurant speisen – während er selbst mit der Dönerbude ums Eck Vorlieb nehmen muss (Erinnerungen aus "Ziemlich beste Freunde" werden wach). Hinzu kommen unzählige Klischees, die der Dramaturgie und dem weiteren Handlungsverlauf viel von ihrer Spannung und Unvorhersehbarkeit nehmen. Denn natürlich darf Mathieu auch noch am renommiertesten Musikwettbewerb überhaupt teilnehmen und selbstverständlich bahnt sich am Konservatorium auch noch eine Liebesgeschichte mit einer (schwarzen) Cellistin an.

Fazit: Die Fülle an Klischees und ein überraschungsbefreiter, konventioneller Handlungsverlauf stehen famosen Darstellerleistungen und einem stimmigen Musikeinsatz gegenüber.




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