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Kritik: Ein letzter Job (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Regisseur James Marsh hat sich in den vergangenen zehn Jahren zum Spezialisten für spannunsgeladene (biografische) Stoffe gemausert. Auf seinen Dokumentarfilm "Man on Wire" (2008) folgten die Romanverfilmung "Shadow Dancer" (2012) und die Biopics "Die Entdeckung der Unendlichkeit" (2014) und "Vor uns das Meer" (2018). Auch "Ein letzter Job" basiert auf wahren Begebenheiten. Marsh hat den spektakulären Einbruch verfilmt, der das Londoner Diamantenviertel Hatton Garden am Osterwochenende 2015 in helle Aufregung versetzte und als größter Raub der britischen Geschichte gilt. Marshs Leinwandversion ist leider langweiliger als der echte Fall.

Der Film legt schwungvoll los. Zum Sixties-Sound der "Small Faces" schieben sich die Titelcredits ins Bild. Alte Filmausschnitte verschränken sich mit neuen. Eine meisterhafte Montage, in der Vergangenheit und Gegenwart verschmelzen wie der Goldschmuck, den Hauptfigur Brian Reader (Michael Caine) zu einem Barren formt. Immer mal wieder ploppen historische Filmschnipsel wie die im Vorspann gezeigten während der zäh fließenden 108 Minuten auf. Sie sind eine Art Erinnerungsfetzen an ein längst vergangenes britisches Gangsterkino und um Längen mitreißender als alles, was Marsh in der filmischen Gegenwart inszeniert.

Gehen die Vorbereitung und Durchführung des Einbruchs noch einigermaßen spannend und durchaus humorvoll über die Bühne, erfolgt nach dem erfolgreichen Bruch auch ein erzählerischer. Plötzlich wird nur noch über die Verteilung der Beute geplappert, was allerdings weder spannend noch humorvoll, sondern nur zum Gähnen ist. Drehbuchautor Joe Penhall ("The Road", "Mindhunter"), eigentlich ein Fachmann für elektrisierende Dialoge in drögen Gesprächssituationen, lässt dieses Mal jeglichen Esprit vermissen – sowohl was die Figurenzeichnung als auch die Logik und die Wendepunkte seiner Handlung anbelangt.

Auch der vorzügliche Cast kann diese Mischung aus Gaunerkomödie und Einbruchsdrama nicht retten. Dafür spielen Michael Caine, Jim Broadbent & Co. schlicht zu routiniert und uninspiriert. Keine darstellerische Leistung ragt heraus, keine Szene bleibt im Gedächtnis haften. Während der tatsächliche Raub in Hatton Garden schon jetzt einen Platz in den Geschichtsbüchern hat, ist dessen Kinoadaption schnell vergessen.

Fazit: James Marshs jüngster Film weiß nicht recht, ob er lässige Gaunerkomödie, ernstes Altersdrama oder harter Thriller sein will. Die Inszenierung und die schauspielerischen Leistungen sind größtenteils uninspiriert. Nach einer passablen ersten Hälfte, schleppt sich "Ein letzter Job" gähnend seinem Ende entgegen.




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