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Unser Team - Nossa Chape
Unser Team - Nossa Chape
© Weltkino Filmverleih / ALL RISE

Kritik: Unser Team - Nossa Chape (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Wie gehen ein Fußballverein und seine Anhänger mit einer Katastrophe um, die fast seiner ganzen Mannschaft das Leben kostete? Die US-amerikanischen Brüder Jeff und Michael Zimbalist haben dokumentiert, wie der brasilianische Fußballclub Chapecoense im Jahr nach dem Flugzeugabsturz vom 28. November 2016 trauert und zugleich einen Wiederaufbau wagt. Der Weg ist kein gerader, sondern führt zu Spannungen und Streit, letztlich aber auch zu einer erfolgreichen Kurskorrektur. Die Versuche des Vereins und seiner neuen Mannschaft, zwischen Kontinuität im Geiste und Wandel eine funktionierende Richtung zu finden, stehen lange auf wackeligen Beinen. Der bewegende Dokumentarfilm, der den Verein über Monate hinweg begleitet, die Wiedereingliederung der überlebenden Spieler beobachtet und Gespräche mit den Witwen führt, entwickelt eine fesselnde Dynamik.

Im Laufe der Beobachtungen kristallisieren sich verschiedene Phasen der Entwicklung für den Fußballverein heraus, die zum Teil konträr verlaufen. Die neue, sehr rasch zusammengestellte Mannschaft wird von der Last der Tragödie schier erdrückt. Sie verliert viele Spiele, bis der neue Trainer darauf setzt, bewusst Abstand von der Vergangenheit zu nehmen. Ein Leistungsgedanke zieht ein, der weniger als bisher vom Zusammenhalt der Mannschaft gespeist wird. Gegnerische Stimmen werden abgeblockt, manche Spieler vermissen in den Umkleideräumen die Fotos der Verstorbenen, die abgehängt wurden. Die Neuausrichtung geht vielen zu schnell, die intensiv trauern und mit der Bewältigung des Verlusts beschäftigt sind.

Die Aufnahmen aus der Spielsaison 2017 werden flankiert von Interviews mit den Witwen, den überlebenden Spielern Jackson Follmann, Hélio Neto und Alan Ruschel und weiteren Personen, sowie von Rückblenden, die aus Archivmaterial bestehen. Viele von ihnen zeigen die Mannschaft von 2016 bei ihren fröhlichen Feiern. Der Höhepunkt des Films, der erneute Flug zum Spiel nach Medellín 2017, bringt eine berührende Wende. Denn den Spielern und Betreuern wird bewusst, dass die Qualität der menschlichen Beziehungen, der Teamgeist, der auch außerhalb des Fußballfelds regierte, den Verein in seinem Wesen bestimmt. Dem gut komponierten, Spannung und Gefühl überzeugend austarierenden Film gelingt es zu zeigen, dass eine Fußballgemeinde weit über den Sport hinaus Verwurzelung bedeutet.

Fazit: Der Dokumentarfilm von Jeff und Michael Zimbalist beobachtet Trauer und Neuanfang beim brasilianischen Fußballclub Chapecoense nach der verheerenden Flugzeugkatastrophe vom 28. November 2016. Bis auf drei Spieler kam die gesamte Mannschaft, die auf dem Weg zum Finale der Copa Sudamericana in Kolumbien war, ums Leben. Der bewegende Film begleitet den Verein durch einen Teil des Jahres 2017 und beweist ein ausgeprägtes Gespür für die Spannungen und Belastungen, denen die Beteiligten ausgesetzt sind. Der Weg in die Zukunft erscheint erst frei, als sich der Verein auf sein ideelles Erbe besinnt, den legendären Zusammenhalt der früheren Mannschaft.




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