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Edie - Für Träume ist es nie zu spät
Edie - Für Träume ist es nie zu spät
© Weltkino Filmverleih

Kritik: Edie - Für Träume ist es nie zu spät (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Filme über rüstige Rentner, die es im Alter noch einmal wissen wollen – ob beruflich oder privat –, gibt es zur Genüge. Geht es darin körperlich zur Sache, wird es schnell unfreiwillig komisch. Denn allzu häufig nimmt man den betagten Schauspielern die Strapazen nicht ab. Das sieht auch Simon Hunter so. "Irgendwie ahnt das Publikum immer, wenn es getäuscht wird", sagt der Regisseur über sein jüngstes Werk und fügt an: "Ich habe in meiner Karriere mit vielen visuellen Effekten experimentiert, doch bei diesem Film wollte ich zu hundert Prozent authentisch bleiben." Ein Double für seine Titelheldin war ebenso tabu wie Tricksereien am Computer. Also musste eine Hauptdarstellerin her, die tatsächlich auf einen Berg steigen konnte.

Hunters Wahl fiel auf Sheila Hancock. Wie ihre Filmfigur ist auch die 1933 auf der Isle of Wight geborene Schauspielerin immer noch umtriebig. Ihr Romandebüt "Miss Carter's War" legte Hancock im zarten Alter von 81 Jahren vor. In "Edie – Für Träume ist es nie zu spät" begeistert sie mit körperlicher Präsenz und engagiertem Spiel, das ihre Edie irgendwo zwischen privater Verbitterung, störrischer Trotzreaktion und mädchenhaftem Charme verortet. Das Zusammenspiel mit Kevin Guthrie, der seinen Charakter als großen, orientierungslosen Jungen anlegt, funktioniert prima.

Im Kino war Simon Hunter bislang für nervenaufreibende Kost ("Lighthouse", "Mutant Chronicles") bekannt. "Edie" ist das Herzensprojekt des Regisseurs, mit dem der gebürtige Engländer, der in Schottland aufgewachsen ist, ein Händchen fürs Drama beweist. Die Geschichte nach Elizabeth O'Hallorans Drehbuch geht zwar keine neuen, aber sichere Wege. Die Balance zwischen Drama, Komik und Herzschmerz, zwischen Sinnsuche, Naturverbundenheit und Spiritualität stimmt. Die dieser Art Filmen obligatorische Rührseligkeit blitzt nur stellenweise auf. Mit viel Gespür für die Chemie zwischen seinen Darstellern und einem ausgezeichneten Auge für die karge Schönheit der Highlands legt Hunter einen zwar erwartbaren, aber schön inszenierten Wohlfühlfilm vor.

Fazit: Simon Hunter hat mit "Edie – Für Träume ist es nie zu spät" ein Herzensprojekt umgesetzt. Sein tragikomisches Drama über einen unerfüllten Wunsch einer 83-Jährigen ist ein ausbalancierter Wohlfühlfilm, der nie zu rührselig wird, aber auch keine neuen Wege beschreitet.




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