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Reiss aus - Zwei Menschen. Zwei Jahre. Ein Traum
Reiss aus - Zwei Menschen. Zwei Jahre. Ein Traum
© Abgefahren GbR

Kritik: Reiss aus - Zwei Menschen. Zwei Jahre. Ein Traum (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Filmische Reiseberichte sind beliebt wegen ihrer subjektiven Perspektive. Die persönliche Erfahrung belegt die Wahrheit des Spruchs, dass Reisen bildet und füllt ihn mit Leben. Die qualitativen Unterschiede solcher Dokumentarfilme sind allerdings groß, denn viele der Protagonisten, die auch die Kamera und die Regie führen, sind filmisch nicht besonders bewandert. Lena Wendt, die bereits Reisereportagen fürs Fernsehen drehte, und ihr Partner Ulrich Stirnat beschlossen erst 2017, aus dem in Afrika entstandenen Videomaterial einen Film zu machen. Dass es für die Aufnahmen kein filmisches Konzept gab, erweist sich aber als durchaus problematisch für die Dramaturgie und die Atmosphäre des Dokumentarfilms.

Erst kürzlich kam "Anderswo. Allein in Afrika" in die Kinos, der dokumentarische Bericht von Anselm Pahnke über seine Reise mit dem Fahrrad durch 15 Länder. Mit "Reiß aus" verbinden ihn die Themen Abenteuer und Selbsterfahrung. Für Pahnke wird die Einsamkeit zur Prüfung, für Wendt und Stirnat das ständige Zusammensein, das Zwist befördert. Atmosphärisch aber wirkt "Anderswo" gelungener. Wendt und Stirnat fangen ebenfalls eindrucksvolle Landschaften ein, erfahren zudem mancherorts auch mehr über die Lebensumstände der Menschen als Pahnke. Aber sie thematisieren oft ihre Probleme miteinander und die gereizte Stimmung. Wendts Voice-Over-Kommentar fällt sehr üppig aus. Da es natürlich auch viele Dialoge gibt und Musik, wirkt der Film eher lärmend als kontemplativ, es gibt kaum Momente, die einfach nur in eine Landschaft oder andere Impressionen eintauchen.

Das Paar wird oft eingeladen von Einheimischen und erfährt einiges über ihr Leben. Lena Wendt fühlt sich sehr wohl in Gesellschaft fröhlicher Kinder, die die Fremden neugierig umringen. Sie schätzt die offene Art der Menschen und genießt ihr Freiheitsgefühl, so weit weg vom geregelten deutschen Alltag. Ulrich Stirnat hadert hingegen häufig mit dem Unvorhergesehenen. Das Wellenreiten entschädigt ihn immer wieder für den Reisestress. Dabei lernt das Paar auch sportbegeisterte junge Afrikaner kennen.

Das tierliebe Paar nimmt einen kleinen Hund mit auf die Fahrt und nach dessen Tod noch einen. Ihr Interesse gilt auch afrikanischen Projekten zum Wohl der Tiere, beispielsweise arbeiten sie eine Weile bei einer Initiative zur Rettung von Schildkröten mit. Interessantes und Banales wird aneinandergereiht, die Reise wirkt nicht besonders gut geplant, das Paar manchmal allzu sorglos. Vor allem aber strapaziert das Beziehungsdrama während der beiden Filmstunden die Geduld.

Fazit: Der Dokumentarfilm von Lena Wendt und Ulrich Stirnat schildert ihre zweijährige Reise mit dem Auto durch 14 afrikanische Länder. Das anders als geplant verlaufende Abenteuer bietet interessante Begegnungen, ist aber auch anstrengend, strapaziert die Beziehung des Paares und damit die Geduld der Zuschauer. Die wechselhaften Eindrücke wirken munter zusammengewürfelt und in ihrer Subjektivität nicht immer aussagekräftig oder relevant.





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