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FBW-Bewertung: Wir (Us) (2018)

Prädikat besonders wertvoll

Jurybegründung: In seiner zweiten Regiearbeit nach dem gefeierten GET OUT nähert sich Jordan Peele weiter dem klassischen Horrorfilmgenre an. War GET OUT im Grunde noch eher als Thriller angelegt, so zieht Peele in WIR dank zahlreicher Slasher-Szenen und makabrer Spannungsmomente die bekannten Register des Genres sehr viel deutlicher. Treu geblieben ist er sich aber damit, den Genrefilm dafür zu nutzen, sehr effektvoll sozialkritische Themen zu adressieren. Gerade in der ersten Hälfte des Films bieten sich dem Zuschauer jede Menge von Anknüpfungspunkten, um gesellschaftliche Bezüge zu erstellen, die in ihrer Metaphorik klug, scharfsinnig und bitterböse angelegtsind. Die Konfrontation der Familie mit den gruseligen Varianten ihrer selbst verweist in diesem Sinne zum einen ebenso deutlich auf die Trump?sche USA wie sie ganz generell auf die westliche Welt passt, in der die Menschheit, getrieben von Nationalismus, Kapitalismus und Xenophobie, teils wahrlich fratzenhafte Züge annimmt. Sich gegen den inneren Dämon durchzusetzen ist wie ganz allgemein auch das Doppelgänger-Motiv ein sehr alter narrativer Topos, der bei Jordan Peele genüsslich auf die Spitze getrieben wird.
Besonders gelungen an der Grundkonstellation des Films ist auch die Tatsache, dass es sich bei der Bilderbuchfamilie, mit der wir uns recht bald identifizieren, um?People of Colour? handelt ? noch immer eher eine Seltenheit, dass eine solch exemplarische All-American-Family eben nicht selbstverständlicher Weise auch von Weißen repräsentiert wird. Und auch die Rollenverteilung innerhalb der Familie ist insofern bemerkenswert, als dass Mutter und Tochter nicht nur Motoren der Handlung sind, sondern sich darüber hinaus als überhaupt nicht zimperlich gegenüber den Aggressoren erweisen. Die gesamten Horrorelemente sind, sowohl was die Steigerungsdramaturgie als auch Ausstattung und Schockeffekte angeht, erzählerisch und visuell hervorragend gelöst. Lustig-makabre Dialoge sowie zahlreiche Anspielungen und Bezüge zu Stephen King und anderen Genregrößen tun in WIR ihr Übriges, um als kluger Horrorfilm mit gesellschaftspolitischem Unterbau blendend zu unterhalten.
Der einzige Kritikpunkt, der zu langen Diskussionen innerhalb der Jury geführt hat, betrifft die Drehbuchentscheidungen im letzten Drittel des Films, die hier im Detail nicht preisgegeben werden sollen. Doch ist sich die Jury einig, dass die Stärken anderer Genregrößen, etwa eines Stephen King oder eines George A. Romero, unter anderem eben genau darin bestehen, manches Unerklärliche vielleicht besser unerklärt zu lassen?



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