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Kritik: Vorhang auf für Cyrano (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Seinen ersten Spielfilm bezeichnet der französische Regisseur Alexis Michalik als "Liebeserklärung an das Theater". In dieser schwungvollen, von gedrechselten und geschliffenen Dialogen gespickten Komödie versetzt er sich zurück in die Pariser Belle Epoque des Jahres 1897. Edmond Rostand ist gerade im Begriff, sein überragendes Werk "Cyrano de Bergerac" zu schreiben, welches das erfolgreichste Theaterstück Frankreichs werden wird – bis zum heutigen Tag. Michalik erzählt davon in Form einer Ensemblekomödie, in der sich historisch reale Personen wie Rostand, die Schauspieler Constant Coquelin, Sarah Bernhardt und andere, in einer fiktional üppig ausgeschmückten Handlung tummeln. So ist es nicht gewesen, aber gefühlt ergibt die Geschichte dieses Schaffensprozesses, in dem sich Kreativität, Nöte und Widrigkeiten vermischen, ein herrliches Abbild der auch hinter den Kulissen stets dramatischen Theaterwelt.

Michalik schwebte ein Film nach dem Vorbild von "Shakespeare in Love" vor, in dem es ebenfalls um die persönliche Inspiration des Künstlers für sein großes Werk geht. Aber er fand für sein "Cyrano"-Projekt keine Geldgeber. Also verwandelte er es in das Theaterstück "Edmond", das sich zum Publikumserfolg entwickelte und das er wiederum schließlich auch für das Kino adaptieren konnte. Die Komödie ist eine Huldigung an die geistreiche, spritzige Sprache in Rostands Theaterstück, die ihr Pendant im Umgang der Künstler untereinander findet. Ohne Fantasie und zuweilen etwas Schummelei kämen Rostand, Coquelin und die anderen nicht weit, würden die Finanziers nicht im Boot bleiben, hätte Rostand keinen Kontakt zu seiner Muse. Ohne den Glauben an das Ziel wäre es nicht möglich, die Diva Maria Legault und ihre Bedingungen zu ertragen.

Rostand schwirrt der Kopf und den Zuschauern zuweilen auch, aber dieser Rausch, in den Michalik das Publikum versetzt, ist beschwingt, heiter, leicht. Ohne dieses tänzerische Grundgefühl, diesen ironisch-liebevollen Blick auf das Geschehen ließe sich die Dynamik des Theaterlebens alter Zeiten wohl gar nicht erfassen, zumindest nicht so lustvoll. Selbst Slapstick findet hier seinen Platz. Eine schöne Erdung erfährt der Film im Abspann mit den Ausschnitten aus früheren "Cyrano"-Verfilmungen und Fotografien der an der Theater-Uraufführung Beteiligten.

Fazit: Schwungvolle Heiterkeit und geistreicher Wortwitz prägen diese Hommage an das französische Theater der Belle Epoque. Regisseur Alexis Michalik hat sein Bühnenstück über Edmond Rostand, den Verfasser des erfolgreichsten französischen Theaterstücks, "Cyrano de Bergerac", für das Kino adaptiert. Er versetzt Rostand und einige der Schauspieler der Uraufführung im Jahr 1897 in eine fiktionalisierte Entstehungsgeschichte des Stücks, in der es drunter und drüber geht. Mit ironisch-liebevollem Blick werden die Höhen und Tiefen, die privaten Verwicklungen, die Beziehungen hinter der Bühne durchmessen, die den Künstlern Improvisationstalent abverlangen, sie aber auch beflügeln können.




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