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Kritik: Das Familienfoto (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Die Regisseurin und Drehbuchautorin Cécilia Rouaud erzählt auf angenehm unaufgeregte und humorvolle Weise von den Problemen in einer aus vier Generationen bestehenden Pariser Familie. Im Zentrum stehen die drei erwachsenen Geschwister Gabrielle, Elsa und Mao, die sich auf unterschiedliche Weise mit den Belastungen ihrer Kindheit herumschlagen. Doch wie es in Familien oft geschieht, bringt eine Veränderung im Leben eines Mitglieds die Dinge für alle anderen ebenfalls ins Rollen. Die Pflegebedürftigkeit der dementen Großmutter wird zum Auslöser für Korrekturen und Weichenstellungen im Leben der Enkel.

Die abwechselnden Einblicke in den Alltag aller Beteiligten sind sehr unterhaltsam und schüren die Neugier auf die weitere Entwicklung. Dabei ist der Realismus des Dramas auffallend, der mit dezenter Komik einhergeht und die Schwierigkeiten der Figuren weder bagatellisiert, noch aufbauscht. Die demente Großmutter passt sich den improvisierten Umständen erstaunlich unbekümmert an. Ob sie nun in Gesellschaft von Gabrielle, Elsa, Mao oder anderen ist, überall wirkt sie zwar leicht weggetreten, aber doch guter Dinge. Schlechter geht es da schon dem Computerspielentwickler Mao, der allem Anschein nach in der U-Bahn-Haltestelle oder am Ufer der Seine gelegentlich mit dem Gedanken an Selbstmord spielt. Mao wuchs bei seiner Mutter Claudine auf, mit der er als Kind nicht sprechen wollte. Am liebsten möchte er auch jetzt unbehelligt von den anderen Familienmitgliedern bleiben, doch er hängt mehr an ihnen, als er weiß.

Eigenwillig wirkt auch Gabrielle, die ihr Geld als lebende Statue verdient und ihrem Sohn eine zuverlässige Mutter sein will. Die bewegendsten Szenen des Films erzählen von der überraschenden Entwicklung dieser konflikthaften Mutter-Sohn-Beziehung. Vanessa Paradis, aber auch die anderen Darsteller spielen ihre mit kleineren und größeren Macken behafteten Charaktere sehr natürlich und glaubwürdig. Jean-Pierre Bacri und Chantal Lauby überzeugen als das getrennte Elternpaar, das seinen Kindern einst zu wenig Geborgenheit schenkte und dennoch aus zwei grundsympathischen Persönlichkeiten besteht. Mit zunehmender Dauer verliert das ansprechende Drama etwas von seiner Spannung und es plätschert in manchen Passagen dahin. Auch das schmälert den realistischen Gesamteindruck nicht.

Fazit: Die französische Regisseurin Cécilia Rouaud vertieft sich mit Sinn für Humor in die individuellen Probleme der Mitglieder einer aus vier Generationen bestehenden Familie. Die erwachsenen Kinder gehen ihre eigenen Wege, doch nun müssen sie sich um die demente Großmutter kümmern und sich mit den Nachwirkungen ihrer verkorksten Kindheit auseinandersetzen. Vanessa Paradis, Jean-Pierre Bacri und die anderen Darsteller gewinnen den durchaus ernsten Themen eine lockere, leichte Seite ab. Ihre Charaktere überzeugen mühelos in einer sowohl unterhaltsam, als auch realitätsnah erzählten Geschichte.




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