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Kritik: This Mountain Life - Die Magie der Berge (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der Dokumentarfilmer Grant Baldwin unternimmt in diesem Film Stippvisiten in die weite Bergwildnis der kanadischen Provinz British Columbia. Dabei tritt der Kanadier nicht selbst in Erscheinung, sondern stellt Menschen vor, die auf ganz unterschiedliche Weise das Naturerlebnis suchen. Künstler, Aussteiger, Ordensfrauen, Sportler erzählen von ihren Erfahrungen und Beweggründen. Als roter Faden dient dem Film eine sechsmonatige Wanderung zweier Frauen über die verschneiten Berge bis nach Alaska.

Der Film fängt immer wieder die Faszination der Protagonisten für die Natur ein und blickt mit ihnen auf die erhabenen Berge, deren Ketten sich über den ganzen Horizont erstrecken. Dabei wird klar, dass es in diesen unberührten Weiten ein anderes Naturerlebnis gibt als beispielsweise in den dicht besiedelten Alpenregionen. Der Mensch begibt sich in der Wildnis von British Columbia als Außenseiter und Zaungast in fremdes Territorium und ist dabei auf sich gestellt. Belohnt wird er mit Sinneseindrücken und Glücksmomenten, die das Leben in der Zivilisation nicht bieten kann.

Der Künstler Bernhard Thor oder die Ordensschwestern in ihrem Bergkloster schätzen die Kontemplation. Die Dominikanerinnen töpfern, eine von ihnen war früher eine gute Langläuferin und gleitet auch jetzt, im langen weißen Gewand, auf ihren Skiern durch den jungfräulichen Schnee. Der Kirchenraum des Klosters hat eine Glasfront, der die Frauen beim Gebet praktisch in Kontakt mit den Bergen davor treten lässt. Oft spricht aus den Worten der Porträtierten eine tiefe Zufriedenheit und Erfüllung, die in ihrer Wahrhaftigkeit berührt.

Auch in den Aufnahmen kommt die Schönheit der Natur voll zur Geltung, nur sparsam akzentuiert von Überblendungen, Zeitraffern, der Vogelperspektive. Die eine oder andere Erinnerung der Erzählenden an Kindheit oder vergangene Abenteuer wird mit Animationen bebildert.

Auf ihrer Wanderung bricht Tania Halik einmal in Tränen aus, nur weil sie den Ausblick gerade so wunderschön findet. Mutter und Tochter kommen wiederholt an ihre Grenzen, bei Temperaturen von -20 Grad und unvorhergesehenen Schwierigkeiten. Einen ganzen Tag brauchen sie, um den dunklen Dean River zu überqueren – sie wollen ihn nie wieder besuchen. Ihre Schlussbilanz ist jedoch nicht nur Stolz auf die persönliche Leistung. Tania Halik sagt, man lerne in der Natur, die kleinen Dinge zu schätzen.

Fazit: In den Bergen der kanadischen Provinz British Columbia gibt es noch weitgehend unberührte Wildnis. Wer sich dort hinauswagt, lernt die Einsamkeit kennen und muss sich auf Gefahren gefasst machen, wird aber wahrscheinlich auch mit einem Naturerlebnis von geradezu philosophischer Tiefe belohnt. Der kanadische Dokumentarfilmer Grant Baldwin porträtiert Künstler, Sportler, Wanderer und Ordensschwestern, die in dieser Abgeschiedenheit Erfüllung finden. Ihre verschiedenen Annäherungen an die Natur und die Schönheit der Landschaft ergeben zusammen ein berührendes Filmerlebnis.




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