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Los Perros
Los Perros
© Cine Global Filmverleih

Kritik: Los Perros (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die 1972 in Santiago de Chile geborene Regisseurin und Drehbuchautorin Marcela Said hat sich bereits auf dokumentarischem Wege (etwa in "I Love Pinochet" aus dem Jahre 2001) sowie in ihrem Spielfilmdebüt "Der Sommer der fliegenden Fische" (2013) mit der Geschichte ihres Heimatlandes befasst. Auch ihr neuestes Werk "Los Perros", das 2017 auf der Semaine de la Critique in Cannes seine Premiere feierte, setzt sich mit der chilenischen Vergangenheit auseinander und zeigt auf subtile Weise, dass die Verbrechen, die während der Pinochet-Diktatur von 1973 bis 1990 begangen wurden, noch immer Auswirkungen auf die Gegenwart haben, da keine Aufarbeitung der damaligen Geschehnisse stattgefunden hat.

Said schildert das Leben einer Frau mittleren Alters aus wohlsituiertem Hause, die sowohl von ihrem Ehemann als auch von ihrem Vater bevormundet wird und eine seltsame Faszination für ihren älteren Reitlehrer entwickelt, der zu Zeiten der Militärdiktatur als Oberleutnant diverse Menschenrechtsverletzungen begangen haben soll. Im Laufe der Handlung wird deutlich, dass die einstigen Verstrickungen hochkomplex sind – und dass die Rolle der gesellschaftlichen Elite, zu der die Familie der Protagonistin zählt, keineswegs geklärt ist. An einer Stelle wird treffend auf den Punkt gebracht, dass man auch durch Passivität Schuld auf sich lädt.

Antonia Zegers ("El Club") macht die Ambivalenz der Hauptfigur spürbar, indem sie uns mit ihrer Mimik und Gestik immer wieder irritiert. So mutet die Heldin Mariana einerseits unbefangen-teilnahmslos an; andererseits zeugt ihr zunehmendes Aufbegehren gegen den einflussreichen Vater und gegen den eigenen Gatten von einem wachsenden Selbstbewusstsein. Marianas Motive, mehr über die kriminellen Taten des von Alfredo Castro ("Caracas, eine Liebe") verkörperten Reitlehrers Juan zu erfahren, bleiben nebulös. Insgesamt gelingt es dem Film gerade durch seine undurchsichtige Figurenzeichnung, eine beklemmende Thriller-Atmosphäre zu schaffen und ein düsteres Porträt des Landes zu entwerfen.

Fazit: Ein spannungsreiches, komplexes Drama mit Thriller-Elementen, das sich der Vergangenheit Chiles und den Folgen für die Jetztzeit widmet.




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