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Kritik: Stan & Ollie (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Wirklich ikonisch sind nur wenige Figuren der Filmgeschichte, allen voran ihre großen Komiker. Charlie Chaplin, Buster Keaton und Harold Lloyd, die Marx Brothers und Laurel & Hardy kennt jedes Kind. Letztgenannte sind hierzulande als "Dick und Doof" geläufig. Doch Stan Laurel, der vor der Kamera den Einfältigen gab und in der deutschen Synchronisation ziemlich hoch sprach, war weder auf den Kopf gefallen, noch überschlug sich seine Stimme. "Stan & Ollie" inszeniert ihn eindrucksvoll als cleveren Strategen, stets auf Publicity und einen gut geschriebenen Gag bedacht.

Regisseur Jon S. Baird, im Kino mit dem Biopic "Cass" (2008) und der Romanverfilmung "Drecksau" (2013) bislang eher für die harte Gangart und derbe Komik bekannt, schlägt in "Stan & Ollie" leise Töne an. Seine Tragikomödie ist von A. J. Marriots Sachbuch "Laurel and Hardy - The British Tours" (1993) inspiriert und tut gut daran, sich nur einen kleinen Teil der bewegten Karriere des Duos herauszupicken. Ihre Theatertournee durch Großbritannien und Irland bietet den perfekten Hintergrund, vor dem sich eine lebenslange berufliche und private Freundschaft mit all ihren Komplikationen verhandeln lässt.

Steve Coogan und John C. Reilly verschwinden beinahe hinter ihren Masken und spielen das Duo so glaubwürdig, als sehe man den Originalen bei ihren Sketchen zu. Baird erzählt dieses finale Kapitel als zweite Erfolgsstory. Nach und nach füllen sich die anfangs halb leeren Säle, weil der Humor der beiden auch 16 Jahre nach ihrem Karrierehöhepunkt noch funktioniert. Mit einem Augenzwinkern setzt sich der in den Vorstellungen gezeigte Slapstick abseits der Bühne fort. Dann verlieren Laurel und Hardy auf dem Weg zum Bahnhof einen Koffer oder erlauben sich an der Hotelrezeption mit der Empfangsklingel einen Spaß. Auch 2019 sind diese perfekt choreografierten Nummern magisch.

Baird setzt die komplexe Partnerschaft wie eine Liebesgeschichte unter Kollegen um – historisch adäquat, in tollen Sets und Kostümen, aber nie nostalgisch. Denn unter all der leisen Komik verbirgt sich ein trauriger Kern. "Stan & Ollie" ist auch ein Film über das Altern, über Krankheit und den Tod, über private Zerwürfnisse und eine berufliche Freundschaft, die alle Differenzen durch die gemeinsam geschaffene Kunst überwindet.

Fazit: "Stan & Ollie" ist eine Verbeugung vor zwei Jahrhundertkomikern, deren Humor auch heute noch funktioniert. Steve Coogan und John C. Reilly lassen das weltberühmte Duo glaubwürdig auferstehen. Regisseur Jon S. Baird setzt auf perfekt inszenierten Slapstick und eine wohldosierte Prise Drama. Eine würdige Hommage zweier Ausnahmekünstler.




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