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Die Khello Brüder
Die Khello Brüder
© barnsteiner-film

Kritik: Die Khello Brüder (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Dieser Dokumentarfilm von Hille Norden schildert am Beispiel zweier syrischer Brüder, die aus dem Bürgerkrieg nach Deutschland geflohen sind, wie schwierig ein Neuanfang in einem fremden Land ist. Zugleich zeigt er aber auch, wie ein solcher Neuanfang gelingen kann. Die Brüder erfahren, getrennt voneinander, die Unterstützung und Anteilnahme verschiedener Personen. Diese menschlichen Kontakte öffnen neue Türen, Freundschaften entstehen. Tarek und Zakwan Khello, die beide das Trauma des syrischen Bürgerkriegs mit sich tragen, gelingt es schrittweise, wieder nach vorne zu schauen.

Norden wechselt zwischen den beiden parallel montierten Integrationsgeschichten hin und her. Dass Tarek und Zakwan so unterschiedliche Charaktere sind, macht den Film nur interessanter. Beide erzählen sie über ihre Bürgerkriegserlebnisse in Aleppo und die Zuschauer bekommen dazu die Kohlezeichnungen Zakwans zu sehen, die das kollektive Leid mit beinahe minimalistischen Mitteln und dennoch ausdrucksstark auf den Punkt bringen. Beide Brüder schaffen es, sich in Deutschland mit ihren Erfahrungen, ihrem Wissen und ihren Fähigkeiten einzubringen. Tarek erzählt, wie erstaunt er war, als ihm eine junge Wissenschaftlerin riet, doch auch in Deutschland als Journalist zu arbeiten. Er konnte sich zu dem Zeitpunkt noch gar nicht vorstellen, wie das gehen sollte.

Zakwan erfährt Anerkennung, als seine Zeichnungen in einer Kirche ausgestellt werden, im Beisein des Dekans und des Bürgermeisters. Er lernt später auch Skateboardfahren, weil er bei einem Ehepaar ein Zimmer bekommt, das sportliche Aktivitäten liebt. Immer wieder spricht Zakwan über die Menschen, die in Syrien sterben. Aber ein paar Monate nach der Ankunft in Deutschland stellt er auch fest: "Meine Seele hat begonnen, sich auszuruhen."

Eine pensionierte Deutschlehrerin, ein Sozialarbeiter, eine Malerin und andere Wegbegleiter der Brüder kommen mit kurzen Beiträgen zu Wort. Als Zakwan die Tränen kommen, weil ihn die Deutschlehrerin an seine Mutter erinnert, umarmt ihn die Pädagogin spontan. Menschliche Gesten, die Erfahrung freundlicher Aufmerksamkeit sind wohl das, worauf es ankommt, damit sich jemand in der Fremde wirklich einleben kann. Der Voice-Over-Kommentar Nordens gerät etwas redselig, aber der Film überzeugt, weil er zeigt, dass Flüchtlinge einer Gesellschaft, die sie aufnimmt, viel geben können.

Fazit: Der Dokumentarfilm von Hille Norden schildert den Integrationsprozess zweier syrischer Brüder, die als Bürgerkriegsflüchtlinge getrennt voneinander nach Deutschland kommen. Dabei schlägt er überzeugend eine Brücke zwischen der Bürde der Vergangenheit, die die Protagonisten tragen, und ihrem Neuaufbruch in einem fremden Land. Tarek, der Journalist, und Zakwan, der Maler, treffen auf einzelne Menschen, die ihnen zuhören und Türen öffnen. Erzählend und mit Zakwans ausdrucksstarken Bildern lassen die Brüder die Zuschauer an ihren Erinnerungen teilhaben, stellen aber auch ihre wachsende Kraft, nach vorne zu schauen, unter Beweis.




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