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FBW-Bewertung: Unsere große kleine Farm (2019)

Prädikat besonders wertvoll

Jurybegründung: Gerade haben sie geheiratet? der Dokumentarfilmer John und Molly, die Food-Bloggerin. Zum großen Glück der Chesters fehlte nur noch ein Hund. Todd aus dem Tierheim erfüllte alle ihre Wünsche, war aber in ihrem kleinen Appartement in Santa Monica für die Nachbarn eine bellende Zumutung. Auf den Hund wollten sie nicht verzichten und so entschlossen sie sich zu einer radikalen Änderung ihres Lebens, auch zur Erfüllung ihres schon lange gehegten Lebenswunsches, Farmer zu werden. In den Hügeln, eine Stunde nördlich von Los Angeles, sollte ihre Vision zur Wirklichkeit werden: Ein traditioneller Bauernhof mit einerVielzahl an Pflanzen, Obstsorten und glücklichen Tieren. Doch das große Land, das sie gekauft hatten, war ausgetrocknet und vernachlässigt. Mit der finanziellen Hilfe von Freunden, eines großen Investors und vor allem des Beraters Alan York ? ein Pionier im Bereich der biodynamischen Landwirtschaft ? schufen sie in nahezu einem Jahrzehnt ein Paradies mit einem besonderen Ökosystem und ohne Einsatz von chemischen Mitteln. Von Beginn an begleitete John Chester filmisch das einmalige Experiment, eine sehr spannende Langzeitbeobachtung. Es waren Jahre des Erfolges, aber auch vieler Misserfolge und eindrucksvoll, wie die Chesters unbeirrbar ihrem eingeschlagenen Weg treu blieben, der Natur weitgehend ihren eigenen Rhythmus zu belassen.
Eine lange Diskussion entspannte sich in der Jury bei der Bewertung des Films. Ist dies ein Dokumentarfilm im klassischen Sinn? Mit Sicherheit nein! Denn sonst hätte man sich die Frage stellen müssen nach detaillierten Angaben zu Management und Finanzierung, zu Lohn und Unterbringung der vielen Helfer aus aller Welt, zu Arbeitsstrukturen und vieles mehr. Die Absicht von John Chester war aber klar, einen lehrreichen Naturfilm über ein ökologisches Experiment der besonderen Art zu machen und damit das Interesse bei einem breiten Publikum zu wecken. Mit einer geschickten Dramaturgie und guter Montage bietet der Film schöne und auch heitere Spannungsmomente. Wir werden Zeugen von Geburten und Tod, wie die Natur bei Schneckenplagen, bei der Überpopulation von Erdmännchen und den Angriffen von Starenschwärmen und Coyoten sich selbst zu helfen vermag, wenn der Farmer die richtige Hilfestellung leistet. So ist es aber auch die teilweise idyllische Geschichte einer Familie geworden, bereichert mit wirklich traumhaft schönen Naturaufnahmen am Rande zur Werbefilmästhetik. Diese leider auch noch verstärkt durch eine als zu dominant empfundene Musikuntermalung. Besonderen Lob verdienen aber auch die schönen Animationsteile zu Beginn des Films, die uns das zeigen, was Chesters Kamera nicht festhalten konnte.



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