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Kritik: Amateurs (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Mit "Amateurs" präsentiert die Drehbuchautorin, Regisseurin und Editorin Gabriela Pichler ihren zweiten Langfilm nach dem Coming-of-Age-Drama "Essen Schlafen Sterben" (2012). Abermals setzt sie sich mit Jugend, Migrationshintergründen und Alltagserfahrungen sowie Arbeits- und Lebensbedingungen in Schweden auseinander und liefert ein zugleich humorvolles als auch vielschichtiges Werk, das sich mit voller Sympathie und Empathie seinen Figuren widmet und dabei einen offenen Blick auf das Dasein in einer Kleinstadt wirft.

Die mögliche Niederlassung eines deutschen Billig-Discounters dient als Rahmenhandlung, um in die Lebensrealität im schwedischen Provinznest Lafors einzutauchen. Der Film thematisiert die potenzielle Entstehung einer "Superbilly"-Filiale mit der nötigen Ambivalenz: Einerseits könnten auf diesem Wege etliche Jobs geschaffen werden, andererseits könnten derzeit existierende Arbeitsplätze und örtliche Unternehmen von dem Discounter und dessen Methoden bedroht werden. Leicht überspitzt, aber dennoch stets glaubwürdig erfasst Pichler, wie sich der Stadtrat darum bemüht, den Ort in einem Imagevideo von der besten, idyllischsten und harmonischsten Seite zu zeigen, und wie er dafür diverse Tricks einsetzt. Diesen geschönten Bildern werden die ungefilterten, rauen und wilden Aufnahmen der Teenager Aida und Dana gegenübergestellt, die mit Handy, Selfie-Stick und einem Überschuss an Energie ihre ganz eigene Version eines Lafors-Porträts realisieren.

"Amateurs" lässt der Zeichnung der Hauptfiguren die erforderliche Aufmerksamkeit zukommen. Aida und Dana – die von den Leinwand-Debütantinnen Zahraa Aldoujaili und Yara Aliadotter überzeugend und mit Hingabe verkörpert werden – bewegen sich fernab von Klischees durch den Plot; beide sind Kinder von Geflüchteten und mitten im Prozess der Identitätsfindung. Interessant ist überdies die Rolle des Stadtratsmitglieds Musse (liebenswürdig gespielt von Fredrik Dahl): Der Tamile muss sich durch die Demenzerkrankung seiner Mutter mit seinen Wurzeln befassen – und gerät in der Geschichte um den Billig-Discounter und die städtische Imagekampagne zwischen die Fronten.

Fazit: Eine clevere Tragikomödie um das Leben in der schwedischen Provinz, die sowohl mit Witz als auch mit Tiefe Migration und Probleme in ländlichen Gegenden behandelt und ein facettenreiches Personal bietet.




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