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Die kleinen Hexenjäger
Die kleinen Hexenjäger
© Der Filmverleih GmbH

Kritik: Die kleinen Hexenjäger (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Um Spaß zu haben, braucht Jovan (Mihajlo Milavic) nicht viel. Zwar hat sein Zimmer alles zu bieten, was Kinderherzen höherschlagen lässt. Anstatt am Computer zu sitzen oder sich mit einem seiner unzähligen Spielzeuge die Zeit zu vertreiben, bastelt er lieber an seinem Stadtmodell aus Pappkarton oder zeichnet in seinen Block. Dann stellt er sich vor, als Superheld durch die Häuserschluchten zu fliegen. Seine kindliche Fantasie ist reicher als all der angehäufte Tand.

Der 1991 geborene Raško Miljkovič gibt mit "Die kleinen Hexenjäger" sein Langfilmdebüt. Wie seine jungen Charaktere beweist auch der Regisseur jede Menge Fantasie. Um einen guten Kinderfilm zu drehen, braucht es nicht viel Budget. Tolle, wunderschön ausgeleuchtete und eingefangene Sets, zwei herausragende Hauptdarsteller, die prima miteinander harmonieren, und eine Handvoll Traumsequenzen genügen. Dann hebt Jovan in seiner Vorstellungskraft als maskierter Superheld vom Boden ab und rettet andere Kinder vor dem Klassenrüpel oder schwebt aus seinem Zimmer in den Nachthimmel. Die Effekte sind simpel, aber wirkungsvoll – nicht zuletzt, weil Miljkovič sie sparsam einsetzt.

Der Film basiert auf Motiven des Kinderbuchs "Zlogonje", wie der Film auch im Original heißt. Hier wie da geht es um Außenseiter, die gemeinsam stark sind. Und es geht um die Macht der (kindlichen) Fantasie. Denn der deutsche Titel ist nicht wörtlich zu nehmen. Wo in anderen Kinderfilmen tatsächlich übernatürliche Wesen auftauchen, hat in Miljkovič' Debüt alles einen natürlichen Ursprung. Die beiden frischgebackenen Freunde jagen einer Hexe hinterher, die es gar nicht gibt, weil Milica eine Beleidigung ihrer Großmutter wörtlich nimmt (was wiederum viel über den Umgang mit Frauen in unseren Gesellschaften aussagt).

Diese zweite Ebene, in der Jovan seiner Krankheit als schwereloser Superheld entflieht und Milica die Trennung ihrer Eltern durch den Glauben an höhere, böse Mächte verarbeitet, funktioniert nicht nur für Kindern, sondern auch für das erwachsene Publikum hervorragend. Mehr als einmal fühlt es sich mit einem Schmunzeln an die eigene Kindheit erinnert und an all die Spinnereien, die man sich damals zusammenfantasierte.

Diese harmlose Fantasiewelt birgt einen ernsten Kern. Miljkovič erzählt einfühlsam, charmant und immer wieder urkomisch von Kindern, die mit Einschränkungen und familiären Problemen zu kämpfen haben, diese aber gemeinsam bewältigen. Am Ende hat Milica dank Jovan ihren Irrglauben an Frauen als böse Hexen besiegt.

Fazit: "Die kleinen Hexenjäger" ist ein einfallsreicher Kinderfilm, der ernste Themen wie Krankheit und Scheidung einfühlsam, charmant und amüsant vermittelt. Debütant Raško Miljkovič beweist ebenso viel Fantasie wie seine Figuren und kann auf zwei wundervolle junge Hauptdarsteller bauen, die vor der Kamera perfekt miteinander harmonieren.




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