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Kritik: Tel Aviv on Fire (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Mit dieser köstlichen Komödie nimmt der palästinensische Regisseur Sameh Zoabi, der unter anderem in Tel Aviv studiert hat, den Nahostkonflikt aufs Korn. Der Filmheld Salam muss täglich den Grenzübergang zwischen Israel und den Palästinensischen Autonomiegebieten passieren, um zur Arbeit zu gelangen. Dort ahnt niemand, warum er sich immer mehr in das Drehbuch der beliebten palästinensischen Fernseh-Seifenoper "Tel Aviv on Fire" einmischt, so dass er als Neffe des Produzenten bald schon vom Berater zum Autor aufsteigt.

Die Serie, in der es um Spionage und ein Liebesdreieck am Vorabend des Sechstagekriegs geht, verändert unter Salams Einfluss aber ihr Gesicht. Die palästinensische Heldin soll nun auf einmal den israelischen General heiraten, den sie ausspioniert. Salam drückt das trickreich durch, weil ihm der Checkpoint-Kommandeur im Nacken sitzt. Die Machtverhältnisse in der Region offenbaren sich am Checkpoint, aber die bissige Kritik, die der Film daran übt, sind in eine sehr witzige und auch versöhnlich gemeinte Handlung verpackt. Salam muss sich durchlavieren und Assi, seinen Onkel, die launische Filmdiva Tala, die die Spionin spielt, bei Laune halten. Dabei entsteht pointierte, entlarvende Situationskomik, die die unterschiedlichen Mentalitäten sehr authentisch einfängt.

Assi identifiziert sich zunehmend mit dem israelischen General im Film. Salam, der den Eindruck eines Verlierertypen macht, aber dann ungeahnte Fähigkeiten entwickelt, nickt die Forderungen Assis mit stoischer Ruhe ab. Was bliebe ihm denn auch anderes übrig? Aber er hat seinen eigenen Kopf. Die beiden Männer bilden ein hervorragendes komödiantisches Duo. Besonders gelungen ist die Besetzung Salams, denn Kais Nashif spielt ihn sehr ernst und mit unbewegter Miene im Auge des Sturms, während das Publikums regelrecht fühlt, was in ihm vorgehen muss.

Eine Fülle gut beobachteter Details prägen die einzelnen Szenen. Zum Beispiel zieht der als Autor unerfahrene Salam, für den Romantik ein Fremdwort ist, beim Verfassen seines ersten Dialogs zwischen Rachel und dem General verzweifelt seine Mutter und andere Leute zu Rate. Die Beliebtheit der Serie steigert rasch sein Ansehen – nicht zuletzt bei seiner Ex, um die er sich bemüht. Der als israelisch-europäische Koproduktion entstandene Film empfiehlt sich als vergnügliche Unterhaltung, die dennoch Position im Nahostkonflikt bezieht und Missstände beim Namen nennt.

Fazit: Die satirische Komödie des Regisseurs Sameh Zoabi widmet sich mit Sinn für absurden Humor den täglichen Zwängen und ideologischen Gräben, die einem palästinensischen Autor und Pendler zwischen Jerusalem und Ramallah begegnen. Unter dem Druck eines Checkpoint-Kommandeurs ändert er das Drehbuch einer palästinensischen Fernseh-Seifenoper, um die Figur des israelischen Generals romantisch aufzuwerten. Wie der geplagte Autor mit den sich ergebenden Komplikationen zu jonglieren lernt, wird sehr vergnüglich, lebensnah und mit kritischem Blick auf die Verhältnisse geschildert.




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