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Kritik: Happy Lamento (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Alexander Kluge ist schon zu Lebzeiten Legende. 1932 in Halberstadt geboren, gehörte der Schriftsteller, Filmemacher, Drehbuchschreiber und Fernsehproduzent, der sich selbst zuvörderst als Autor begreift, sowohl zum Kreis der Gruppe 47 als auch zu den Initiatoren des Oberhausener Manifests. Sein Drama "Abschied von gestern" (1966) räumte bei den Filmfestspielen in Venedig gleich fünf Preise ab. Zwei Jahre später erhielt Kluge für "Die Artisten in der Zirkuskuppel: ratlos" (1968) den Goldenen Löwen. Der für sein Lebenswerk folgte 1982. Seit 1987 mischt er zudem mit den von seiner Firma dctp produzierten Formaten zu nächtlicher Stunde das Privatfernsehen auf. Die aus diesen Beiträgen gewohnte essayistische Spielart liegt nun auch "Happy Lamento" zugrunde, mit dem Kluge auf die große Leinwand zurückkehrt.

"Happy Lamento" ist kein Dokumentarfilm, sondern ein Filmessay, in dem Kluge Gedanken und Bilder assoziativ aneinanderreiht. Doch worum geht es? "Im Grunde genommen geht es bei diesem Film um elektrisches Licht, den Zirkus, den Song "Blue Moon" und Straßenkämpfe unter Kinderbanden im Norden Manilas", sagt Kluge in einem Regiekommentar und trifft damit den Nagel auf den Kopf. Die Szenen aus Manila stammen aus "Alipato: The Very Brief Life of an Ember" (2016), einem hypnotischen Bilderrausch des philippinischen Enfant terribles Khavn de la Cruz. Diese irrlichternden, mit grobem Pinsel, traumwandlerisch schwebender Kamera und ungemeiner Dynamik und auf die Leinwand geworfenen Szenen sind der Höhepunkt eines unterdurchschnittlichen Kluge-Filmessays.

Wer Kluges nächtliche Fernsehformate kennt, dem ist die Montage- und Kommentartechnik vertraut. Kluge mischt eigenes Archivmaterial mit Aufnahmen aktueller Ereignisse und Ausschnitten aus Khavn de la Cruz' Film. Munter mixt er von Schauspielern nachgestellte Interviews zu historischen Ereignissen mit assoziativen Texteinblendungen in bunt blinkenden Farben und grässlichen Schriftarten und gleichermaßen assoziativen Splitscreen-Collagen. Stärker als sonst ist die Musik dieses Mal ein verbindendes Element. In kurzen 90 Minuten versucht Kluge, Zusammenhänge zwischen dem Zirkus, dem Mond, Licht und Elektrizität, Politik, Musik und einer konsumorientierten Warenwelt herzustellen. Wirklich Kluges fällt ihm dazu allerdings nicht ein. So vergleicht er den Politzirkus mit einem echten Zirkus und Donald Trump mit einem Elefanten. Ein Filmessay, auf den sich das Publikum einlassen muss. Ein mitunter unterhaltsamer Gedankenstrom, der in seinen besten Momenten eine Sogwirkung entwickelt, in seinen schlechtesten aber erschreckend einfältig bleibt.

Fazit: Über "Happy Lameto" kann man letztlich nur lamentieren. Mit diesem Filmessay bleibt Alexander Kluge unter seinen Möglichkeiten. Weder Form noch Ideen sind frisch und originell. Den größten Schwung entwickeln eben jene Szenen, die nicht von Kluge, sondern vom Regiekollegen Khavn de la Cruz stammen.




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