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Kritik: Wo ist Kyra? (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

New York wird in Filmen gerne als glitzernde Metropole, in der das Leben tobt, gezeigt. Aber in letzter Zeit entdeckt das Kino auch eine andere Seite der Stadt. Was ist mit den Menschen, die hier vereinsamen oder nicht mehr wissen, wie sie ihre Miete bezahlen sollen? Eine alleinstehende Frau, die in die Jahre kommt, spielt jeweils die Hauptrolle in "Can You Ever Forgive Me?", "Greta" und jetzt in "Wo ist Kyra?". Obwohl sich der Grad ihrer individuellen Schuld erheblich unterscheidet, entwickeln alle drei Frauen eine kriminelle Energie. Zwei von ihnen betrügen aus finanzieller Not, während Isabelle Huppert in "Greta" eine Psychopathin spielt, die junge Frauen umbringt. In allen diesen Filmen schwingt ein bedrückender Ton mit: New York kann für alternde Frauen ein unwirtlicher Ort sein.

War "Can You Ever Forgive Me?" mit Melissa McCarthy noch von Humor durchzogen, so entscheiden sich die beiden anderen Geschichten für eine betont düstere Atmosphäre. Unter der Regie von Andrew Dosunmu erkennt man Michelle Pfeiffer zunächst kaum – denn die brünette Kyra mit dem verhärmten Gesichtsausdruck ist vor allem unscheinbar. Kyra pflegt ihre Mutter liebevoll, die Szenen in der Wohnung am Anfang des Films sind durchzogen von einer heimeligen Geborgenheit. Doch das höhlenartige Refugium mit den alten Tapeten und Möbeln und dem schummerigen Licht bietet Kyra eine trügerische Sicherheit. Denn mit dem Tod der Mutter verliert sie schlagartig den materiellen Halt.

Kyras neue Bekanntschaft Doug lässt hoffen, dass wieder Licht in ihr Leben tritt. Doch New York und die Gesellschaft an sich – in Gestalt ihres Ex-Mannes (Sam Robards) - zeigen sich von einer sehr kalten Seite. Überall wird Kyra abgewiesen, wenn sie Arbeit sucht – wie kann das eigentlich sein? Ja, viele Firmen versprechen sich mehr Erfolg bei Kunden, wenn sie junge, hübsche Frauen beschäftigen. Aber weil Dosunmu die Situation für Kyra gar so schlimm darstellt, wird sie regelrecht unglaubwürdig.
Die richtig aufdringlichen Klänge, die die Handlung an bestimmten Stellen begleiten, weisen wichtigtuerisch in Richtung Thriller und Tragödie. Was genau aber ist die Tragödie hier? Der Film wirkt verstiegen, wenn auch nicht so schlimm wie "Greta". Wenn Stars wie Isabelle Huppert und Michelle Pfeiffer solche Rollen annehmen, wirft das im übrigen auch ein Licht auf das dürftige filmische Angebot für alternde Schauspielerinnen.

Fazit: Das von Regisseur Andrew Dosunmu inszenierte Drama erzählt von einer Frau in der zweiten Lebenshälfte, die verzweifelt versucht, sich in New York über Wasser zu halten. Michelle Pfeiffer spielt diese einsame Person in ihrem Taumel zwischen Not, Verzweiflung und krimineller Energie und betont dabei ihre tiefe Traurigkeit. Wie leicht einer Frau der soziale Absturz droht, wenn sie ihren Partner und ihre Arbeit verliert und nicht mehr jung ist, wird hier eindringlich, aber auch eine Spur zu aufdringlich geschildert. Die einengende, düstere Stimmung schmälert das Mitgefühl für die Hauptfigur.




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