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Campus Galli - Das Mittelalter-Experiment
Campus Galli - Das Mittelalter-Experiment
© mindjazz pictures

Kritik: Campus Galli - Das Mittelalter-Experiment (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Anfangs wurde das Projekt von vielen belächelt. Kritiker sprachen ihm die Wissenschaftlichkeit ab, schließlich wurde und wird vor Ort jede Menge experimentiert. Schriftliche Quellen über Arbeitsmethoden aus dem 9. Jahrhundert gibt es kaum welche. Die am Projekt beteiligten Arbeiter und die Besucher interessiert das freilich wenig. Sie sind mit Herzblut dabei. 2018 ging das Competence Center Archaeometry der Universität Tübingen schließlich ein Kooperation mit dem "Campus Galli" ein. Eine späte Genugtuung, die auch Reinhard Kungel in seinem Film festhält.

Kungel kennt sich mit Langzeitprojekten aus. Der Dokumentarfilmer begleitet das Burgbauprojekt im französischen Guédelon, das dem "Campus Galli" als Vorbild diente, seit dem Jahr 2000. Und auch über die Baustelle in Meßkirch hat Kungel schon mehrere kürzere und mittellange Beiträge für das SWR-Fernsehen gedreht. Erzählerischer roter Faden in seinem Kinodokumentarfilm sind der Bau einer Holzkirche und der Versuch, für diese eine Glocke zu gießen, was mehrfach scheitert und erst zum Abschluss der letzten von Kungel begleiteten Saison gelingt. Der Fernsehcharakter ist seiner Dokumentation – von den Bildern bis zum didaktischen Off-Kommentar – anzumerken.

Abseits des "Campus"-Alltags nimmt Kungel ausschnitthaft unterschiedliche Biografien der Beteiligten in den Blick. Ohne selbst ins Bild zu treten, erfragt er von seiner Position hinter der Kamera deren Motivationen. Neben einem Interesse für Geschichte eint die meisten ein Bedürfnis, der Schnelllebigkeit unserer Welt zu entfliehen. Die Arbeit in Meßkrich bietet Entschleunigung, was auch die ehrenamtlichen Helfer – darunter viele Familien mit Kindern, die ihre Ferien mit dem Projekt verbringen – positiv hervorheben.

Doch nicht alles verläuft harmonisch. Mit dem Wachstum des Projekts knirscht es immer häufiger im mittelalterlichen Gebälk. Soll der "Campus Galli" so weiterlaufen wie bisher oder ein Betriebsrat gegründet werden? Die Belegschaft scheint gespalten, einige verlassen das Projekt. Gerade hier knirscht auch Kungels Film gewaltig. Die Rolle des inzwischen verstorbenen Initiators Bert M. Geurten, der in Archivaufnahmen zu Wort kommt, bleibt ebenso undurchsichtig wie die konkrete(n) Ursache(n) für den Frust mancher Beteiligter. Statt einzuordnen, sein Publikum aufzuklären und etwa konkrete Zahlen zur Finanzierung auf den Tisch zu legen, bleibt "Campus Galli" vage. Das Geschehen hinter den Kulissen ist nicht recht zu greifen.

So verlässt man den Film mit dem Gefühl, zwar viel über experimentelle Archäologie gelernt zu haben, aber wenig bis nichts über die angespannte Organisationsstruktur dahinter.

Fazit: Reinhard Kungels Dokumentarfilm über ein Bauprojekt nach mittelalterlichen Methoden bietet einen informativen und spannenden Einblick in die experimentelle Archäologie, verrät aber zu wenig über die angespannte Organisationsstruktur dahinter.




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