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Kritik: Mein Sohn (2021)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Mit dem Roadmovie-Drama "Mein Sohn" legt die 1979 geborene Lena Stahl ihr Langfilm-Regiedebüt vor. Sie erzählt darin von der Entfremdung zwischen der Mutter Marlene und deren Sohn Jason, der bereits 20 Jahre alt ist, sich jedoch nicht allzu reif und erwachsen verhält. Als Coming-of-Age-Geschichte funktioniert das Werk nur bedingt. Der von Jonas Dassler ("Der goldene Handschuh") verkörperte junge Mann, der erkennen muss, dass ein Verkehrsunfall weitreichende Folgen für sein weiteres Leben haben wird, ist in seiner Rebellion nicht glaubhaft genug gezeichnet.

Deutlich überzeugender ist hingegen die Zeichnung der Mutter – auch dank der engagierten Darstellung durch Anke Engelke. Die insbesondere durch Comedy-Formate bekannte Anke Engelke liefert eine vielschichtige Performance. Sie zeigt, wie Marlene unter der dysfunktionalen Beziehung zu ihrem Sohn leidet, und lässt uns spüren, welche Erfahrungen und Verletzungen der Vergangenheit zu ihrer heutigen Art geführt haben. Marlene verkommt dabei nie zum Klischee einer Helikoptermutter; zugleich sucht der Film auch nicht die alleinige Schuld für das zerrüttete Eltern-Kind-Verhältnis bei Jason. Auf die Frage, wie viel Freiraum in der Erziehung nötig ist, welche Aufgaben eine Mutter und welche ein Sohn hat, gibt uns das von Stahl verfasste Drehbuch keine unumstößlichen Antworten vor.

Das Skript ist nicht frei von Klischees. Einige Stationen und Figuren, vom betont exzentrischen Anhalter (gespielt von Daniel Zillmann) bis zur alternativ lebenden Kommune, wirken ziemlich herbeikonstruiert. Schön ist hingegen – vor allem in den Mutter-Sohn-Interaktionen –, wie natürlich die Dialoge vermittelt werden. Hier raschelt kein Papier; hier klingt es, als würden echte Menschen miteinander (zu) kommunizieren (versuchen).

Fazit: Ein Roadmovie-Drama, das vor allem durch Anke Engelke und durch die lebensnahen Dialoge zwischen Mutter und Sohn an Intensität gewinnt.




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