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Das zweite Leben des Monsieur Alain
Das zweite Leben des Monsieur Alain
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Kritik: Das zweite Leben des Monsieur Alain (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Vermutlich fing alles mit "Die Kinder des Monsieur Mathieu" (2004) an. Seither kennt der Erfindungsreichtum der deutschen Verleiher bei französischen Wohlfühlkomödien keine Grenzen. Einzig eine förmliche Anrede scheint obligatorisch. Dem Publikum bescherte das so verschwurbelte Filmtitel wie "Monsieur Claude und seine Kinder" (2015), "Frühstück bei Monsieur Henri" (2015) oder "Monsieur Pierre geht online" (2017) auf männlicher sowie "Die Schüler der Madame Anne" (2014), "Madame Marguerite oder die Kunst der schiefen Töne" (2015) und "Madame Christine und ihre ungebetenen Gäste" (2016) auf weiblicher Seite. Mit den Originaltiteln hat das meist nur rudimentär zu tun. Nun sehen wir also Monsieur Alain (Fabrice Luchini) bei seinem zweiten Leben zu. Auf Französisch ist dieser Manager ein "homme pressé", also einer, der stets in Eile ist.

Regisseur Hervé Mimran legt denn auch flott los. Wenige Einstellung und paar kluge Drehbucheinfälle genügen, um ins Leben dieses Workaholics einzuführen. Vieles davon vermittelt Mimran, der das Skript nach der Biografie des echten Managers Christian Streiff unter Mitarbeit von Hélène Fillières geschrieben hat, indirekt. Hier wie in ihren besten Momenten tänzelt diese Tragikomödie mit spielerischer Leichtigkeit über die Leinwand. Neben Mimrans zurückhaltend-unauffälliger Inszenierung liegt das vor allem an Hauptdarsteller Fabrice Luchini. Der wechselt gewohnt souverän zwischen Nonchalance und Arroganz.

Der Rest des Films verläuft in allzu vorhersehbaren Bahnen. Als Antagonistin stellt das Drehbuch dem abgehobenen Alain die geerdete Logopädin Jeanne (Leïla Behkti) entgegen. Die ist zwar schon von Berufs wegen nicht auf den Mund gefallen, Leïla Behkti hat die fordernde Gegenspielerin aber schon besser gespielt – zuletzt etwa in "Ein Becken voller Männer" (2018). Und auch die Rolle des cleveren weiblichen Widerparts, der dem etablierten, alten weißen Mann die Leviten liest, hat man im jüngeren französischen Kino – etwa mit Camélia Jordana und Daniel Auteuil in "Die brillante Mademoiselle Neïla" (2017) – reizvoller gesehen.

Die größte Schwäche ist aber die Unentschlossenheit. Für eine Komödie ist "Das zweite Leben des Monsieur Alain" nicht witzig genug. Dafür erschöpft sich der Humor zu schnell in den Buchstabendrehern, die Alains Sprachzentrum nach seinem Schlaganfall produziert. Und für ein wirklich zwingendes Drama verzweifelt Luchinis Figur an den neuen Lebensumständen nicht überzeugend genug. Im letzten Akt gerät das Drehbuch schließlich vollkommen formelhaft. Der Streit mit seiner Tochter wirkt ebenso unglaubwürdig und aufgesetzt wie das allzu hastig angeklatschte Ende auf dem Jakobsweg.

Fazit: Wie so viele französische Filme mit "Monsieur" oder "Madame" im deutschen Verleihtitel ist auch dieser eine Wohlfühl(tragi)komödie. Regisseur Hervé Mimran kann sich voll und ganz auf seinen glänzend aufgelegten Hauptdarsteller Fabrice Luchini verlassen. Erzählerisch bewegt sich diese Work-Life-Balance-Dramödie allerdings in allzu vertrauten Fahrwassern.




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