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Carmine Street Guitars
Carmine Street Guitars
© Real Fiction

Kritik: Carmine Street Guitars (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Zur Arbeit kommt er mit dem Rad, trägt dabei stets Jeans und T-Shirt. Mit einem jungenhaften Lächeln auf den Lippen sieht man Rick Kelly sein wahres Alter nicht an. Der in Long Island geborene Gitarrenbauer ist schon seit den 1970ern in Greenwich Village, seit 1990 in der Carmine Street. Sein Werkzeug benutzte schon sein Großvater. Um an das beste Holz für seine Unikate zu kommen, steigt er schon mal verbotenerweise in einen Müllcontainer.

Regisseur Ron Mann hat Kelly und seinem Ladengeschäft, einer echten Institution in der New Yorker Musikszene, ein würdiges Denkmal gesetzt. Manns Dokumentarfilm ist simpel, schnörkellos und doch wunderschön – wie Kellys Design, das ohne großen Schnickschnack auskommt. Entlang einer Arbeitswoche erzählt Mann die Geschichte des Gitarrenbauers, seines Ladens und seiner Leidenschaft lediglich über Gespräche, die Kellys berühmte Kunden mit ihm, mit seiner Auszubildenden Cindy Hulej oder die beiden miteinander führen.

Dallas und Travis Good von "The Sadies" schauen zum ersten Mal vorbei. Filmemacher Jim Jarmusch bringt eine Akustik-Gitarre zur Reparatur, Lou Reeds Gitarrentechniker Stewart Hurwood erinnert sich an den 2013 verstorbenen Musiker und Nels Cline sucht ein Instrument, das er seinem Bandkollegen, "Wilco"-Frontmann Jeff Tweedy, zum Geburtstag schenken kann. Ob in einer gewöhnlichen Woche tatsächlich so viele Prominente vorbeischauen, ist ebenso fraglich wie die Themen, die sie anschneiden. Die Chronologie der Ereignisse ist wohl erst nachträglich im Schneideraum zurechtgebogen worden und manche Stichworte scheinen vorgegeben.

Dem Filmgenuss tut dies allerdings keinen Abbruch. Rick Kellys bescheidene, stets freundliche und lebensfrohe Art ist ebenso echt wie die Begeisterung auf den Gesichtern der Musiker*innen, wenn sie zum ersten Mal auf Kellys Gitarren spielen. Dann spürt auch das Publikum die Faszination und den volleren Klang, der von dem alten Holz ausgeht. In Kellys Instrumenten lebt ein Stück untergegangenes New York weiter. Die kleinen Improvisationen und Jamsessions von Eszter Balint, Kirk Douglas ("The Roots"), Eleanor Friedberger oder Bill Frisell fangen den Zauber der Musik und dieses Ortes magisch ein. Ein Ort, den es aufgrund der steigenden Immobilienpreise und Mieten vielleicht nicht mehr lange geben wird. Musiker, die die Gelegenheit dazu haben, sollten hinfahren und ihn sich ansehen.

Fazit: Ein Film wie eine von Rick Kellys unnachahmlichen Gitarren: einfach, schnörkellos, magisch. Dokumentarfilmer Ron Mann ist ein würdiges Porträt eines leidenschaftlichen Handwerkers geglückt, der in seinem Laden eine längst untergegangene Zeit konserviert. Ein Muss für jeden Musikfan.




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