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Heute oder morgen
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© Salzgeber & Co. Medien GmbH

Kritik: Heute oder morgen (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Das Regiedebüt von Thomas Moritz Helm, der auch das Drehbuch geschrieben hat, erzählt von einem jungen Pärchen in Berlin, das den Sommer genießt, indem es sich treiben lässt. Maria und Niels haben viel Lust auf Sex und wollen auf diesem Gebiet neue Erfahrungen machen, beispielsweise mit der Doktorandin Chloe aus Manchester. Doch diese neue Freundschaft konfrontiert alle drei mit ihren Grenzen. Helm produzierte diesen kleinen Spielfilm über das Lebensgefühl der jungen Generation in Berlin ohne Filmförderung.

Sexuelle Freizügigkeit und Entdeckungslust stehen bei Niels und Maria ganz hoch im Kurs. Sie wollen Fantasien ausleben und auch ein wenig gegen bürgerliche Konventionen und Langeweile rebellieren. Maria genießt die lesbische Liebe mit Chloe, fühlt sich aber weiter stark zu Niels hingezogen. Erst reagiert Niels eifersüchtig, dann Maria, als sie bemerkt, wie wichtig Chloe für ihn geworden ist. Ein-zweimal riskieren Niels und Maria wegen Chloe sogar den Bruch. Chloe hat als Figur eine interessante Funktion, sie bietet den beiden anderen eine Horizonterweiterung, holt sie dabei aber auch aus ihrer Komfortzone.

Mehr Substanz bekommt die Geschichte, die eher einer verlängerten Momentaufnahme, einem vergänglichen Schwebezustand gleicht, wenn sich der gesellschaftliche Hintergrund der Charaktere ab und zu bemerkbar macht. Widersprüche durchziehen vor allem das Leben von Maria und Niels. Sie scheinen viele Möglichkeiten offen zu haben, sind aber davon offenbar auch ziemlich angeödet. Maria und zwei ihrer Freunde rebellieren sogar gegen das Establishment, indem sie als Sprayer nachts vermummt an den Bahngleisen herumschleichen. Niels neigt manchmal zu Äußerungen, mit denen er Menschen anderer Nationalität irritiert oder herabsetzt. Weil er nicht bereit ist, sich zu hinterfragen, überfordert ihn der Austausch mit Berlin-Besuchern aus aller Welt schnell.

Was der Film aussagt, wie er zu lesen ist, hängt sehr stark vom subjektiven Eindruck des einzelnen Betrachters ab. Man kann das Trio als aufgeschlossen empfinden oder im Gegenteil, die Charaktere als langweilig in ihrer Selbstbezogenheit. Helm zieht keine klare Linien, sogar die Einschätzung, ob die Handlung auf der Stelle tritt oder fließt, ist davon abhängig, wie viel Interesse man aufbringt für diese Figuren und ihr kleines urbanes Universum.

Fazit: Der Debütfilm des Regisseurs und Drehbuchautors Thomas Moritz Helm erzählt vom Sommer eines jungen Berliner Paares auf der Suche nach neuen sexuellen Erfahrungen. Seine Beziehung mit einer Doktorandin aus England bringt dem Paar nicht nur die gewünschte Horizonterweiterung, sondern konfrontiert es auch mit Eifersucht und persönlichen Unklarheiten. Die sinnliche Neugier und das Freiheitsgefühl des Trios gehen in dem eigenartigen Schwebezustand auf, in dem sich die Geschichte befindet. Die Einschätzung, ob sie stagniert oder fließt, anregend oder langweilig ist, dürfte individuell stark variieren.




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