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Idioten der Familie
Idioten der Familie
© farbfilm verleih

Kritik: Idioten der Familie (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"Idioten der Familie" ist das neue Werk von Michael Klier ("Heidi M.", "Alter und Schönheit"); das Drehbuch verfasste er gemeinsam mit Karin Aström. Der Film erzählt von der Schwierigkeit, das Verfolgen eigener Ziele mit der Verantwortung für andere zu vereinbaren. Wann wird Selbstverwirklichung zu Egoismus? Und welche Pflichten haben wir gegenüber Hilfsbedürftigen?

Klier und sein Kameramann Patrick Orth fangen das Geschehen als dynamisch gestaltetes Kammerspiel ein; ein Großteil der Handlung ist in den Räumen eines Familienhauses am Stadtrand von Berlin angesiedelt. Hier finden sich die drei Brüder Bruno, Tommie und Frederik ein, um sich von dem "Nesthäkchen" Ginnie zu verabschieden. Die geistig behinderte junge Frau soll in ein Heim, nachdem sich die ältere Schwester Heli jahrelang um sie gekümmert hat. Das Skript lässt Schuldgefühle der drei Männer anklingen, aber auch Ignoranz und Naivität – wenn sie etwa meinen, es besser als Heli zu wissen, obwohl sie all die Jahre kaum zur Stelle waren, um Heli bei der Pflege von Ginnie zu unterstützen. Wenn sich Vorwürfe und alte geschwisterliche Konflikte Bahn brechen, ist insbesondere die Figurenzeichnung nicht frei von Klischees. Aufgefangen wird dies jedoch von der guten bis großartigen schauspielerischen Interpretation.

Florian Stetter ("Die geliebten Schwestern") und Kai Scheve ("Spreewaldkrimi") liefern solide Leistungen; für die prägnanteren Momente sorgen indes Hanno Koffler ("Freier Fall") als vermeintlich unbekümmerter Jazz-Musiker und Jördis Triebel ("Emmas Glück") als verhinderte Künstlerin. Zur Szenendiebin wird wiederum die verlässlich intensiv agierende Lilith Stangenberg ("Wild") in der Rolle der Ginnie.

Fazit: Eine filmische Auseinandersetzung mit der Frage nach Verantwortung in Zeiten des zunehmenden Individualismus, die vom Spiel des Ensembles profitiert.




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