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Kritik: La flor (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

"La flor" feierte im letzten Jahr auf dem Locarno Filmfest Weltpremiere und lief seitdem auf zahlreichen weiteren nationalen wie internationalen Festivals: von Rotterdam und München über Toronto bis hin zum Filmfestival in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires. Mariano Llinás feierte mit "La flor" sein Comeback. Sein letzter Film stammt aus dem Jahr 2008 ("Historias extraordinaries").

Einen Film wie "La flor" gab es in dieser Form noch nicht. Nicht nur die Länge ist beachtlich, auch die stilistische und inhaltliche Vielfalt ist einmalig. Das Besondere an Llinás cineastischem Kinoserien-Meisterwerk ist, dass er in den einzelnen Episoden einerseits die gängigen Genre-Konventionen sowie -Versatzstücke durchdekliniert und den Gattungen damit seine Ehre erweist (etwa die emotionalen Gesangsduette im Musical oder das Figurenschach in der Agentenfilm-Episode). Andererseits aber bricht er immer wieder mit bekannten Erzählmustern und bewährten (technischen und visuellen) Elementen. Gerade auf optischer Ebene.

So ziehen sich durch fast alle Akte des Films auffällige Unschärfen, ein originelles Spiel mit Vorder- und Hintergrund sowie Verpixel- und Verfremdungen. Hinzu kommen surreale und märchenhaft anmutende Momente, etwa wenn mitten in der Szene im Hintergrund eine Hexe durchs Bild schwebt oder auf Bäumen abgestellte Autos einen ganz normalen Bestandteil der Szenerie bilden. Leicht abgründig, mystisch und phantastisch. David Lynch lässt grüßen. Und so steckt "La Flor" voller Reminiszenzen an filmische Kategorien, bekannte Filmszenen der Geschichte und berühmte Regisseure (darunter viele Indie-Filmemacher wie Roger Corman).

Nicht alle Episoden bewegen sich dabei auf gleichem qualitativem Niveau, besonders hervor stechen die rund sechsstündige, komplexe Agenten-Story sowie das eindringliche (Beziehungs-)Musical. Als Zuschauer ist man in jedem Fall gefordert: Konzentration (einige Episoden enden abrupt und haben damit kein richtiges Ende) und Sitzfleisch braucht es allemal. Wer jedoch darüber verfügt, erlebt ein selten gesehenes, berauschendes Kaleidoskop aus flirrenden Bildern, lebendig-bunten Eindrücken und tollen Geschichten.

Fazit: Herausfordernd, unterhaltsam, extrem, Genre-übergreifend: Mariano Llinás filmgewordenes Wahnsinnsprojekt ehrt die Kunstformen "Film" und "Kino" in exzessiver, unnachahmlicher Weise.




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