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Sorry we missed you
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Kritik: Sorry We Missed You (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Mit "Sorry We Missed You" legt der 1936 geborene Brite Ken Loach ("Ich, Daniel Blake") gemeinsam mit seinem Stamm-Drehbuchautor Paul Laverty ein weiteres überzeugendes sozialrealistisches Drama vor, welches sich aktuellen gesellschaftlichen Missständen widmet. Das Werk, das 2019 in Cannes seine Premiere feierte, wirft einen präzisen und kenntnisreichen Blick auf die heutige Arbeitswelt und die darin stattfindende Ausbeutung.

Mit seinem Kameramann Robbie Ryan fängt Loach in oftmals dokumentarisch anmutenden Bildern die Job-Situationen seiner beiden Hauptfiguren ein. Während in den Szenen mit der als Altenpflegerin tätigen Abby deutlich wird, dass ein extremer Pflegenotstand herrscht und die in diesem Sektor Arbeitenden kaum Zeit finden, sich angemessen um die Menschen zu kümmern, befassen sich die Passagen um Abbys Ehemann Ricky mit der sogenannten Gig-Economy. Auf dem Papier ist Ricky als Kurierfahrer zwar ein Selbstständiger; das System der Honoraraufträge sowie die Technologie, die ihm Routen vorschreibt und seine Kundschaft stets über die voraussichtliche Auslieferung informiert, sorgen jedoch für Ausbeutung und für einen enormen Zeitdruck. Obendrein trägt Ricky bei aller Abhängigkeit immer das volle Risiko. Die Aufnahmen im Paketdepot hinterlassen einen bleibenden Eindruck – und lassen auch über das eigene Konsumverhalten nachdenken.

Abermals gelingt es Loach und Laverty, eine realitätsnahe Studie mit glaubhaften Figuren zu bevölkern. Ohne ins Kitschige abzudriften, erzählt "Sorry We Missed You" auf mitreißende Weise von den Konflikten einer vierköpfigen Familie und von deren Versuchen, trotz ihrer prekären Lage nicht zerstört zu werden. Kris Hitchen und Debbie Honeywood, die hier beide ihre ersten großen Rollen spielen, liefern sehr beachtliche Leistungen.

Fazit: Ein genau beobachtetes, klug geschriebenes und versiert in Szene gesetztes Sozialdrama, das zudem von seinem Ensemble überaus einfühlsam interpretiert wird.




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