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FBW-Bewertung: Für Sama (2019)

Prädikat besonders wertvoll

Jurybegründung: Man kann diesen Film nur schlecht mit anderen Dokumentarfilmen vergleichen. Nicht nur seine Entstehungsgeschichte ist ungewöhnlich - Regisseurin Waad al-Kateab hat über mehrere Jahre hinweg in ihrer Heimat Syrien gedreht -, es sind vor allem die Aufnahmen selbst, die den Zuschauer absolut erschüttern: Szenen aus dem zuerst protestierenden, dann umlagerten und schließlich gnadenlos beschossenen und bombardierten Aleppo. Die einzelnen Aufnahmen sind von einer Unmittelbarkeit, der man sich als Zuschauer nicht entziehen kann; sie zeigen Schreckliches - in einer Szene bringen zwei Brüder, beide noch im Kindesalter, ihren dritten, von Trümmern getroffenen, leblosen Bruder ins Krankhaus -, aber auch überraschendeNormalität - spielende Kinder, Mütter beim Kochen, rührend-feierliche Hochzeiten -, alles vor der Kulisse einer sich zusehends in Trümmer verwandelnden Stadt. Als die Proteste ausbrechen, ist Waad al-Kateab noch eine Studentin, die aus Spaß zur Kamera greift, aber als der Krieg beginnt und Aleppo zur umkämpften Stadt wird, dokumentiert sie tagebuchartig, als autodidakte Videobloggerin, was um sie herum geschieht. Dieser private, spontane Aspekt haftet dem Material noch an; er macht die nachhaltige Wirkung aus, die sich aus dem Gefühl ergibt, tatsächlich am Ort des Geschehens zu sein, mit all dem Schrecken, den das impliziert. Manche der Aufnahmen, so die Jury, gehen so sehr an die Nieren, dass man sich als Zuschauer fast auch wieder zum emotionalen Ausstieg gezwungen fühlt: Man kann nicht alles an sich heranlassen. So einschlägig ist die Wirkung des Dokumentierten, dass man fast übersieht, wie gestaltet der Film in seiner Gänze dann doch ist: Waad al-Kateab hat ihr Material in Form eines Briefs an ihre in Aleppo geboren Tochter Sama gebracht und durch Material eines Koregisseurs, des Filmemachers Edward Watts ergänzt. Diese Form, die ihre Parteilichkeit offen ausstellt, geht mit einer gewissen Manipulation einher, wie ein Teil der Jury kritisch anmerkte: Durch das Kind als Ansprechpartner wird dem Zuschauer wenig Freiheit gelassen, Dinge anders zu bewerten. Es gibt keine Orientierung über oder echte Einordnung der widersprüchlichen Kriegsereignisse. Aber auch wenn man sich an dieser radikalen Subjektivität des Films reiben kann, ist die Jury der Überzeugung, dass dieser Film ein ungeheuer wichtiges Zeitdokument ist, das man unbedingt gesehen haben sollte.



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