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Kritik: Last Ferry (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Dieser amerikanische Thriller, dessen Hauptdarsteller Ramon Torres auch das Drehbuch geschrieben hat, ist zugleich ein Queerfilm. Die Handlung ist auf der Insel "Fire Island" vor New York angesiedelt, wo sich fast ausschließlich schwule Protagonisten tummeln. Der Hauptcharakter Joseph ist mit der Fähre hierher gefahren, weil er sexuelle Kontakte knüpfen will. Er hofft, bereits jetzt im April, lange vor Saisonbeginn, in ein Wochenende voller Parties eintauchen zu können. Seinen Businessanzug tauscht er gegen vor Ort gekaufte Shorts und Strandschuhe aus, und bald spricht ihn schon ein junger Mann am Strand an. Doch er entpuppt sich als Dieb. Und er ist nicht der einzige Verbrecher, den Joseph zu Gesicht bekommt.

Am nächsten Morgen aber wähnt sich Joseph im Paradies, in der schicken Villa mit Pool, in der er erwacht. Der gutgelaunte Besitzer Cameron und seine männlichen Gäste nehmen ihn in ihren Kreis auf. Auf einer Insel aber führen alle Wege im Kreis und so wird es nicht lange dauern, bis das Böse, das sich dort abspielt, auch Josephs glückliche Zuflucht erreicht. Die Regisseurin Jaki Bradley verbindet Urlaubsgefühl, Strandabenteuer, schwule Erotik und eine Krimihandlung, die für überraschende Wendungen sorgt, zu einem ansprechenden kleinen Film.

Joseph ist einsam und unglücklich. Er fühlte sich bisher nirgends so richtig zugehörig und akzeptiert. Mit Cameron, den er so sympathisch und attraktiv findet, tauscht er sich im Gespräch über seine Probleme aus. Cameron, der stets so offen und entspannt wirkt, vertritt die These, dass man keine Schwäche zeigen dürfe. Dies ist auch die Einstellung seines besten Freundes Rafael, der sich seit der Trennung von seinem Partner nur noch betrinkt. Die Verschiedenheit der Charaktere macht den Reiz dieses Films aus, der in einem langen Mittelteil die Krimihandlung in den Hintergrund schiebt und sich auf die Freundschaft des schüchternen Joseph mit Cameron konzentriert.

Die Inszenierung beweist Sinn für Erotik und das Ambiente mit der architektonisch beeindruckenden Villa könnte dafür kaum besser geeignet sein. Auch die Insel mit dem einsamen Sandstrand, der Brandung, den kahlen Baumstämmen bietet sinnliche Motive, manchmal verstärkt durch Aufnahmen in der Dämmerung. Aber inwiefern eine Insel einen Rückzugsraum zur Selbstfindung bietet, oder dazu verleiten kann, die Errungenschaften der Zivilisation außer Kraft zu setzen, das muss Joseph in einem dramatischen Finale noch herausfinden.

Fazit: Dieser erotisch ansprechende LGBTQ-Thriller spielt auf einer kleinen Insel vor New York, die ein junger Anwalt besucht, um auf Parties schwule Freunde zu finden. Dort wird er Zeuge eines Verbrechens, begegnet der Liebe und gerät in Gefahr. Unter der Regie von Jaki Bradley entfaltet der Thriller, für den der Hauptdarsteller Ramon Torres das Drehbuch schrieb, eine doppelbödige sinnliche Spannung. Die Verschiedenheit der männlichen Charaktere und die schöne Naturkulisse tragen zum Reiz dieses unterhaltsamen kleinen Films bei.




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