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Kritik: PJ Harvey - A Dog called Money (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

"The Hope Six Demolition Project”, im Frühjahr 2016 veröffentlicht, war Harveys erstes Studioalbum seit ihrem Meisterwerk "Let England Shake" von 2011. Der Durchbruch gelang Harvey, die in diesem Jahr ihren 50. Geburtstag feierte, 1995 mit dem Album "To bring you my love". Sie gehört seit vielen Jahren zu den erfolgreichsten Indie-Künstlerinnen ihrer Heimat. Seit 2004 erreichten alle ihre Platten mindestens die Top-20 der britischen Album-Charts.

Lange hat eine Dokumentation den Entstehungsprozess eines musikalischen Werks nicht mehr derart mitreißend und vielschichtig offengelegt. Mit "The Hope Six Demolition Project” veröffentlichte Harvey vor dreieinhalb Jahren ein komplexes, zwischen Blues, Indie, Elektro-Beats, Jazz-Elementen und Avant-Rock changierendes Album, das vor allem durch seine metaphorischen, anspielungsreichen Texte auffiel. Durch "A dog called money" finden nun all die Themen, Inhalte und bildhaften Verweise in den Lyrics der Stücke gewissermaßen ein visuelles Äquivalent. Denn durch den Film wird klar, was Harvey auf ihren Reisen durch den Kosovo, Südasien und Washington D.C. gesehen und erlebt hat – und was sie schließlich zur Musik und zu den Texten ihres neunten Albums inspirierte.

Der Film funktioniert einerseits als Reise-Doku in einige der ärmsten, herunter-gekommensten und rückständigsten Orte und Regionen der jeweiligen Länder – festgehalten in eindringlichen Aufnahmen. Wobei Harvey auch in den Elendsvierteln der amerikanischen Hauptstadt einen Eindruck von den Überlebenskämpfen und schwierigen Lebensverhältnissen der Menschen gewinnt. Die Botschaft ist klar: Der amerikanische Traum ist ausgeträumt. Zumindest für die, die sozial abgerutscht sind und abgehängt wurden. Mit diesem Wissen kann man die Texte in einigen Stücken des Albums, etwa in "Community of Hope , nun ganz anders deuten.

Andererseits rückt der Film ebenso die Aufnahme und Produktion des Albums ins Licht. Und der ist mehr als unkonventionell: Die Besucher der Kunstinstallation konnten Harvey fünf Wochen lang beim Einspielen und Einsingen der Songs zusehen – durch einen Einwegspiegel. Während also die Zuschauer und -hörer von außen dem Entwicklungsprozess intensiv beiwohnten, bekamen Harvey und ihre Musiker von all dem Trubel auf der anderen Seite des Glases nichts mit. Eine unmittelbare und ganz und gar direkte Art, der Entstehung von Musik beizuwohnen.

Fazit: Der Mix aus Reise-Doku, Album-Making-of und Musikfilm ist ein unvergessliches, einnehmendes akustisches wie visuelles Erlebnis.




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