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Kritik: Endzeit (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"Endzeit" stammt von der schwedischen Filmemacherin Carolina Hellsgard, die in Berlin lebt und arbeitet. Mit ihrem Erstling "Wanja" debütierte sie 2015 gleich auf der Berlinale (Perspektive Deutsches Kino). "Endzeit" ist ihr zweiter Spielfilm. Der in Co-Produktion mit dem ZDF und in Zusammenarbeit mit Arte entstandene Film wurde an unterschiedlichen Drehorten in Thüringen realisiert, darunter in Jena, Weimar und Heldrungen.

Formal und auf dem Papier erscheint "Endzeit" zunächst wie eine lupenreine Genre-Produktion: ein apokalyptisch-dystopischer Zombie-Horrorfilm, in dem nahezu die komplette Zivilisation ausgelöscht wurde und einige Wenige ums Überleben kämpfen. Rein auf die Handlung bezogen stimmt das auch und hier sorgt der Film, nicht zuletzt aufgrund der Vielzahl an ähnlich gelagerten Zombie-Werken und damit altbekannter Muster und Versatzstücke, nur bedingt für Überraschungen. Auch dramaturgisch.

So kämpfen sich die beiden so unterschiedlichen Heldinnen des Films durch die ausgestorbene, mittlerweile verwilderte Natur, überqueren menschenleere Straßen und Brücken, schlagen die Zeit im Zug tot und schlafen auf vereinsamten Hochständen. Zwischendurch werden sie von einfallenden Zombie-Horden überrascht, wobei sich Regisseurin Hellsgard in Sachen Gewalt und Brutalität sehr zurückhält. Deshalb funktioniert "Endzeit" alles in allem auch weniger als angsteinflößender, unheilvoller Horrorfilm sondern vielmehr als mystisch angehauchter Mix aus Drama, Mystery und (feministischer) Selbstfindungstrip.

So tut "Endzeit" gut daran, sich rechtzeitig auf die spannende aber brüchige Beziehung der beiden Frauen zu konzentrieren, aus der eine ganz eigene Dynamik erwächst. Zudem unterfüttert Hellsgard ihr Werk mit allerlei unterschwelligen, subtil eingestreuten philosophischen Gedankenspielen sowie ökologischen Botschaften, in denen immer wieder auf das nahe Ende der Menschheit, die Rache durch die Erde bzw. Natur und die Schwäche der menschlichen Spezies verwiesen wird. Aufgrund der gegenwärtigen Klima-Hysterie eigentlich ein Film zur genau richtigen Zeit.

Fazit: Inhaltlich weitestgehend vorhersehbarer und dramaturgisch generischer Zombie-Film, der bei näherer Betrachtung allerdings einige tiefgründige Verweise und komplexe Ideen liefert und so zum Nachdenken anregt.




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