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Kritik: Crescendo #makemusiknotwar (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der Regisseur des Films, Dror Zahavi, stammt selbst aus Israel. Anfang der 80er-Jahre verließ er seine Heimat in Richtung Potsdam , um seine Ausbildung als Filmemacher an der HFF "Konrad Wolf" zu beginnen. Seit den 90er-Jahren dreht er vor allem für das deutsche TV, darunter Episoden quotenstarker Formate wie "Tatort", "Bloch", "Alarm für Cobra 11" und "Die Männer vom K3". "Crescendo" feierte im Sommer 2019 auf dem Filmfest München seine Weltpremiere.

Es ist eine interessante Herangehensweise, derer sich Zahavi bedient, um die Streitigkeiten und unterschiedlichen Interessen zwischen Arabern und Israelis aufzeigen. Dafür nutzt er den Mikrokosmos des Orchesters, dessen Musiker mit all ihren Vorurteilen und vorgefertigten Meinungen über "das andere Volk" stellvertretend für die seit vielen Jahrzehnten herrschenden Auseinandersetzungen zwischen den beiden Ländern stehen. Etwa wenn die Musiker unterschiedliche Vorstellungen von der Darbietung ihrer Kunst haben, sich erbittert um den Solo-Part streiten oder – ganz grundsätzlich – die Schuldfrage im israelisch-palästinensischen Konflikt debattieren.

Überhaupt wird in "Crescendo" viel geredet, gestritten und hitzig diskutiert. Dies ist eine Botschaft des Films. Zahavi fordert, einander zuzuhören, auf die Argumente der Gegenseite einzugehen und gefestigte Ressentiments abzulegen. Dass dies – übertragen auf die politischen Spannungen zwischen den beiden Völkern in der realen Welt – freilich nicht so einfach und problemlos funktioniert, zeigt die Geschichte. Aufgrund dessen und der Tatsache, dass man in der Realität ausschließlich mit Musik bzw. einem (Friedens-)Konzert wohl kaum zu einer Befriedung und Völkerverständigung im Nahostkonflikt beitragen kann, lässt sich "Crescendo" durchaus eine gewisse Blauäugigkeit und Naivität unterstellen. Allerdings eine gut gemeinte und durchaus sympathische.

Ärgerlicher sind das schon die charakterlichen Stereotype und Allgemeinplätze, mit denen Zahavi seine Story unterfüttert. Von absehbaren Liebeleien und Beziehungen zwischen Juden und Arabern während des Aufenthalts in Südtirol bis hin zum rebellischen, aufmüpfigen Störenfried (Ron), dessen Egozentrik das Projekt mehrmals in Gefahr bringt. Immerhin überzeugt Peter Simonischek in der Rolle des ebenso autoritären wie idealistischen Friedensstifters ("Ich will Frieden") und "Maestros" von Beginn an.

Fazit: Gut gespielter, lobenswerte und wichtige Botschaften vermittelnder Film über die Kraft der Musik, der jedoch etwas zu leichtgläubig geraten ist und zu sehr auf vorhersehbare Verläufe sowie allseits bekannte Charaktere baut.




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