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Kritik: Skin (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Bryon "Babs" Widner ist ein realer Mensch. Er war viele Jahre lang gewalttätiger Neonazi, zählte zu den Mitbegründern des rechtsextremen "Vinlanders Social Club". Widner stieg mit Hilfe einer antifaschistischen Aktivistengruppe, die der Afroamerikaner Daryle Lamont Jenkins (Mike Colter) gegründet hatte, aus der rechtsextremen Szene aus. Bereits in seinem oscarprämierten Kurzfilm "Skin" hat der aus Israel stammende, in den USA lebende Regisseur Guy Nattiv eine Geschichte über gewaltbereite Neonazis erzählt. Im gleichnamigen Spielfilm geht es nun um die fiktionalisierte Geschichte von Bryon Widner.

Nicht nur wegen seiner martialischen Tätowierungen ist Bryon ein furchteinflößender Charakter. Der Rassismus der White-Supremacy-Bewegung und deren faschistisch gefärbter Kult nordischer Mythologie prägen sein Weltbild. Er ist gewalttätig und brutal, wirkt wie eine tickende Zeitbombe. Aber so unberührt von seinen Taten ist er dann doch nicht, wie ein nächtlicher Albtraum beweist, in dem ihn eines seiner Opfer aus Rache anzündet. Als er die selbstbewusste junge Mutter Julie und ihre drei Töchter kennenlernt, entwickelt er neue Werte. Zu den stärksten Szenen des Films gehören jene, in denen seine selbsternannten Zieheltern Fred und Shareen auftreten. Sie umgarnen, unterwerfen ihn, wie auch andere Gruppenmitglieder, mit einer unheimlich wirkenden Mischung aus Kumpanei, Dominanz, Demütigung und manipulierender Fürsorge. Am Beispiel des neu rekrutierten Teenagers Gavin (Russel Posner) wird gezeigt, wie attraktiv einem vernachlässigten Jungen die Geborgenheit der Gruppe und die Verheißung, zu den ganz harten Männern zu zählen, vorkommen.

Jamie Bell spielt Bryon sehr beeindruckend in seinem meist stummen Ringen mit sich selbst. Julie zeigt ihm seine Grenzen auf, wirkt aber als wehrhafte Mutter auch etwas idealisiert dargestellt. So bildet sie den Gegenpol zu Fred und Shareen, den fehlgeleiteten Elternfiguren, die ein persönliches Trauma verbergen und zu keiner Liebe fähig sind. Es mangelt nicht an Dramatik und auch nicht an brutaler Gewalt, schon der Umgang der Neonazis untereinander jagt einem Gänsehaut über den Rücken. Etwas bedauerlich ist nur, dass sich der Film so sehr auf die besondere Beziehungsdynamik in dieser Splittergruppe konzentriert und so seinen Blick auf die rechtsextreme Szene ziemlich verengt.

Fazit: Regisseur Guy Nattiv erzählt in diesem packenden Drama die fiktionalisierte Geschichte des ehemaligen amerikanischen Neonazis Bryon Widner, dem der Ausstieg aus der White-Supremacy-Bewegung gelang. Jamie Bell spielt den Hauptcharakter eindrucksvoll als anfangs hasserfüllten, gewalttätigen jungen Mann, der der Liebe begegnet und sein Leben verändern will. Doch seine terroristische Gruppierung will ihn nicht gehen lassen. Nicht nur die Gewalt der Neonazis wirkt furchterregend und abstoßend, auch ihr manipulativer Umgang miteinander verursacht Gänsehaut.




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