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Kritik: Der Spion von nebenan (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

JJ ist ein kampfgestähltes Muskelpaket. Der großgewachsene Mann erledigt seinen Agentenjob so wie früher seinen Dienst beim militärischen Sondereinsatzkommando: indem er die Bösen ins Jenseits befördert. JJ hat nur einen Freund, seinen blauen Zierfisch im Glas. Und er trägt einen Waffenkoffer mit sich, den nicht einmal seine CIA-Teampartnerin Bobbi, die JJ als Helden bewundert, anfassen darf. Ein freches neunjähriges Mädchen aber bringt JJ geschickt in Bedrängnis und nötigt ihn, als Freund und Helfer in ihr Leben zu treten. Die Komödie von Regisseur Peter Segal ("Get Smart") und den Drehbuchautoren Erich und Jon Hoeber ("R.E.D.: Älter. Härter. Besser") erweist sich als pfiffig-klamaukige Agentenparodie und Familienunterhaltung.

Mit seinem ungleichen Gespann erinnert der Film an so unterschiedliche Werke wie "Daddy ohne Plan" mit Dwayne Johnson und sogar, wenn auch aus weiter Ferne, an "Leon der Profi". Wie Johnson hat auch Dave Bautista eine Karriere als Wrestler vorzuweisen und einen beeindruckenden Körperbau. Dass JJ nun ein Mädchen aus seinem Alltag als einsamer Wolf heraus ins pralle Familienleben zieht, wirkt putzig, aber auch ganz lustig. Sophie ist schlagfertig und obercool, ihr kann niemand ein X für ein U vormachen. JJ schon eher, im Denken ist er nicht der Schnellste, was Bautista genüsslich ausspielt.

Auf einmal soll der arme JJ ein Teamplayer werden und dabei auch noch mit weiblichen Personen klarkommen, die verschiedene Dinge von ihm fordern. Sophie, die durchaus gerne sieht, dass sich JJ für ihre Mutter interessiert, verbietet ihm, mit ihr zu tanzen. Sie findet seinen Stil peinlich. Aber dann will Kate tanzen und JJ muss einen Moment überlegen, ob er das darf. Auch seine Kollegin Bobbi lässt ihm keine Ruhe, sie ist eifersüchtig, weil JJ mehr mit Sophie spricht, als mit ihr. Diese auf das Beziehungsgeschehen konzentrierte Handlung unterhält ganz gut mit ihrem Dialogwitz.

Dass JJ so den unbeholfenen Riesen gibt, den das Mädchen an die Hand nimmt, lässt die Geschichte zwar oft etwas dümmlich wirken. Aber sie besteht aus mehr als nur albernem Klamauk, besitzt Schwung, Charme und verwegenen Witz. Es gibt auch richtige Action, die über den Horizont eines Familienfilms hinausweist. Mit einem solchen würde sich Sophie auch nicht zufrieden geben, sie steht mehr auf die coole Pose, die Art, wie ein Actionheld im Moment des Infernos dahinschreitet.

Fazit: Unter der Regie von Peter Segal pendelt diese Komödie abwechslungsreich zwischen Action- und Familienfilmgenre, zwischen kindischem Klamauk und pfiffigem Charme. Dave Bautista spielt den hartgesottenen Ex-Militär und CIA-Agenten JJ mit Lust an der Parodie als tumben Einzelgänger, der sich von einem Mädchen mit Köpfchen um den Finger wickeln lässt. Die neunjährige Sophie will von ihm lernen, eine harte Agentin zu sein und gibt ihm im Gegenzug Nachhilfe im sozialen Umgang. Die Zuschauer erwartet eine zuweilen holprige Berg- und Talfahrt, die aber immer wieder mit reizvollen Ideen bei Laune hält.




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