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Ronny & Klaid
Ronny & Klaid
© Studio Hamburg Enterprises GmbH

Kritik: Ronny & Klaid (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Diese Jungs haben das Zeug zum Kulthit. Der von Franz Dinda verschmitzt gegebene Ronny und sein von Sahin Eryilmaz liebevoll-wuchtig verkörperter bester Kumpel Khalid alias Klaid bringen genau jenen verspielten und anspielungsreichen Humor mit, der den meisten deutschen Komödien abgeht. "Ronny & Klaid" ist ein bisschen Dick und Doof, ein wenig Bud Spencer und Terence Hill, mal Cheech und Chong und mal Jay und Silent Bob. Dabei scheut sich diese irre Kreuzung aus einem ungleichen Paar, einer Prise Slapstick und Pokultur-Zitaten, wilden Wendungen und jeder Menge dummer Sprüche nicht davor, tief im Klischee zu baden.

Ein Großteil der Komik entsteht aus Klaids ungewolltem Wortwitz, wenn er ein ums andere Mal Sprichwörter und Redewendungen falsch wiedergibt oder miteinander vermengt. Dann sagt er Ronny, dass dieser "wie aus dem Ei geleckt" aussehe, macht "rabula tasa", gerät ins "Kreuzverhör" oder "schwimmt auf ganz dünnem Eis". Der Rest dieses in kräftigen Farben gefilmten, nicht durchweg gelungenen Debüts ist ein herrlich schräger Genremix voller ungezügelter Ideen. Hier trifft Slacker-Komödie auf Romcom, Thriller auf Gangsterfilm, Italowestern auf Berlin-Neukölln, Parodie auf Hommage.

Um der Kreativität keine Grenzen zu setzen, hat Regienovize Erkan Acar sein Debüt ohne Fördergelder realisiert. Obwohl der Film in zwei Etappen mit einem Abstand von einem Jahr gedreht wurde, merkt man dem Endergebnis die lange Unterbrechung nicht an. Die bauernschlauen und durchweg sympathischen Hauptfiguren, die sichtliche Spielfreude aller Darsteller und Arend Remmers' ("Unsere Zeit ist jetzt", "Traumfabrik") abermals kluges Drehbuch halten den zeitweise zur Nummernrevue verkommenden Film zusammen.

Große Teile des Teams vor und hinter der Kamera waren bereits am Überraschungserfolg "Schneeflöckchen" (2017) beteiligt. Die kreative Truppe knüpft damit an eine abrupt abgerissene Entwicklungslinie im deutschen Film an, die rund um die Jahrtausendwende ihren kurzen Höhepunkt erreichte. Seinerzeit machten Genre-Verbeugungen wie "Knocking on Heaven’s Door" (1997), "Der Eisbär" (1998), "Kai Rabe gegen die Vatikankiller" (1998), "Bang Boom Bang" (1999) oder "Lammbock" (2001) keinen Hehl aus ihren amerikanischen und britischen Bezugspunkten. Auch Acar findet Quentin Tarantino toll und nennt Guy Ritchie als Vorbild. An deren Genre-Glanzstücke reicht "Ronny & Klaid" zwar noch nicht heran, macht aber Hoffnung auf mehr. Eine Fortsetzung ist bereits in der Entwicklung.

Fazit: "Ronny & Klaid" ist ein ebenso charmantes wie schräges Debüt. Erkan Acars Komödie ist eine Liebeserklärung an den Genrefilm und an zwei sympathische Loser, die sich mit Bauernschläue und losem Mundwerk durch eine herrlich überdrehte Meta-Welt bewegen. An sein Vorbild Guy Ritchie kommt Acar damit zwar noch nicht heran, ist jedoch ein großes Versprechen für die Zukunft.




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