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Celebration
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© Salzgeber & Co. Medien GmbH

Kritik: Celebration (2007)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Beinahe 50 Jahre seines Lebens widmete Yves Saint Laurent dem Modedesign und erneuerte den Kleidungsstil der Frauen mit bahnbrechenden Kreationen. Das weltberühmte Mondrian-Kleid von 1965 und der 1967 präsentierte Hosenanzug für Frauen besiegelten schon früh seine Bedeutung als führender Modeschöpfer der Pariser Haute Couture. Kurz vor dem Ende seiner Karriere im Jahr 2002, als Saint Laurent bereits von Krankheit gezeichnet ist, lässt sein Geschäftspartner und Freund Pierre Bergé einen Dokumentarfilm über ihn drehen. Der Dokumentarfilmer Olivier Meyrou stellt im Laufe von zweieinhalb Jahren Beobachtungen im und um den Betrieb, der Saint Laurents Namen trägt, an. Der fertige Film findet jedoch 2007 nicht die Billigung Bergés. Deshalb erreicht er erst über ein Jahrzehnt nach seiner Uraufführung auf der Berlinale die Kinos.

Einen skandalösen Inhalt aber hat der Film trotz dieser Begleitgeschichte nicht zu bieten. Meyrou hat hauptsächlich Momenteindrücke gesammelt, in denen sich der Trubel, der Glanz, die Fleißarbeit und Detailversessenheit in dem Haute-Couture-Betrieb abbilden. Man sieht die Näherinnen bei der Arbeit, die Mannequins beim Vorführen der Stücke. Immer wenn der Name Saint Laurent fällt, erstarren die Anwesenden beinahe vor Ehrfurcht, in die sich auch eine diffuse Furcht mischt. Das Zusammensein mit Menschen scheint dem gealterten Saint Laurent kaum zumutbar. Weder spricht er mit dem Filmemacher, noch sieht man ihn mit anderen mehr als ein paar kurze Worte wechseln. Auch ein Zeitungsinterview mit einer französischen Journalistin verläuft stockend. Saint Laurent wirkt wie ein hochempfindlicher Künstler, der sich selbst unter Schaffensdruck setzt. Auch der Dokumentarfilm "Dior und ich" von Frédéric Tcheng aus dem Jahr 2014 über den Designer Raf Simons schilderte auf ähnliche, sogar noch deutlichere Weise den Kreativitätsdruck in der Haute Couture.

Der umtriebige Bergé und der im Stillen kreative Saint Laurent erscheinen wie Gegensätze, die sich ergänzen. Saint Laurent vertraut Bergé blind, wenn dieser ihn auf einen kommenden Auftritt einstimmt, ihn an allfälligen Störfaktoren vorbei dorthin lotst. Über das, was in dem Designer vor sich geht, erfährt man im Grunde wenig. Man muss sich die verschiedenen, bruchstückhaften Impressionen mitsamt ihren Zeitsprüngen und Schauplatzwechseln selbst zu deuten versuchen.

Fazit: Der 2007 uraufgeführte Dokumentarfilm von Olivier Meyrou über den Pariser Modedesigner Yves Saint Laurent in seiner letzten, von Ehrungen begleiteten Schaffensphase kommt nun mit einer Verzögerung von über zehn Jahren in die Kinos. Er bietet Einblicke in den Arbeitsprozess des nach ihm benannten Haute-Couture-Hauses und beobachtet die Beziehung des 2008 verstorbenen Designers zu seinem umtriebigen Geschäftspartner Pierre Bergé. Es verleiht dem Film Spannung, dass der menschenscheue Saint Laurent die Kamera als Zumutung empfindet und allenfalls duldet.




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