VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
La Maladie du Démon - Die Krankheit der Dämonen
La Maladie du Démon - Die Krankheit der Dämonen
© Kugler Film

Kritik: La Maladie du Démon - Die Krankheit der Dämonen (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5


Die Filmemacherin Lilith Kugler lebte als Kind selbst eine Zeitlang in Burkina Faso. Sie kennt den engagierten Pfarrer Tankpari Guitanga, einen Freund ihres Vaters, bereits seit jener Zeit. Er machte sie bei einem späteren Besuch vertraut mit der Situation von psychisch Kranken und Epileptikern im Land.

Nun hat Kugler ihren ersten langen Dokumentarfilm diesem Thema gewidmet und ihn ohne Fördergelder, aber mit Crowdfunding-Mitteln und Sponsorenhilfe gedreht. Dabei fungierte sie als Produzentin, Regisseurin, Kamerafrau, Cutterin, Verleiherin. Ihr Film wurde mittlerweile in Burkina Faso gezeigt. Kugler stellt ihn dem Hilfsverein Guitangas zur Verfügung, damit er weiterhin zur Aufklärung eingesetzt werden kann. Denn die Vorurteile der Einheimischen gegenüber Epileptikern und psychisch Kranken sind groß.

"Manche warten darauf, dass ich Epilepsie bekomme", sagt Guitanga halb scherzhaft. Wer mit Epileptikern und psychisch Kranken zu tun hat, gerate selbst ins Visier der Dämonen, glauben in Burkina Faso viele. Der alte Mann aber fürchtet sich nicht. Er kann sich empören, dass Menschen "wie Esel" angekettet werden, mit Vergnügen lässt er ihnen, wenn sie zu ihm gebracht werden, die Fesseln abnehmen. Aber er sieht sich als Vermittler, der seinen Landsleuten zeigen will, dass sich Gebet und medikamentöse Behandlung ergänzen sollten.

Die Freude ist groß, wenn Patienten, die endlich Medikamente bekommen haben, wieder zu ihren Familien zurückkehren können. Guitanga begleitet sie manchmal persönlich dorthin, betet mit ihnen und den Angehörigen. Er hinterlässt seine Telefonnummer, der Kontakt soll nicht abbrechen.

Die beobachtende Haltung Kuglers ist unaufdringlich. Sie registriert, wie respektvoll Guitanga und seine Helfer mit den Patienten umgehen, wie sie sich bewegen lassen von deren oft sehr schlimmen Erlebnissen. Ins Visier gerät dabei aber auch immer wieder die Bereitschaft von Angehörigen und anderen Menschen aus dem Umfeld der Kranken, ihre Einstellung zu revidieren. Wenn sie sehen, dass Medikamente wirken, sind viele bereit, umzudenken.

Seit den Dreharbeiten 2016 sind erfreuliche Dinge passiert: Mit Spendengeldern aus Deutschland konnte der Verein ein eigenes Gebäude für die Sprechstunden bauen. Der psychiatrisch ausgebildete Pfleger Timothée Tindano ist nun beim Verein fest angestellt und kann dort fünfmal die Woche Patienten empfangen. Der bewegende Dokumentarfilm liefert ein überzeugendes Beispiel dafür, wie wichtig bürgerliches Engagement von Einheimischen ist, um sozialen Fortschritt auf den Weg zu bringen.

Fazit: In Burkina Faso gelten Epileptiker und psychisch Kranke traditionell als von Geistern besessen. Allein das Gebet und der Glaube sollen ihnen helfen können. Aber ein Pfarrer setzt sich unermüdlich für medizinische Behandlung der Kranken ein. Der bewegende Dokumentarfilm von Lilith Kugler schaut ihm und seinen Helfern über die Schulter und registriert aufmerksam, wie viele Veränderungen ein solches kleines Hilfsprojekt in Gang setzen kann.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.