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Brittany Runs a Marathon
Brittany Runs a Marathon
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Kritik: Brittany Runs a Marathon (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

"Brittany Runs a Marathon" ist das Regiedebüt des preisgekrönten Theaterautors Paul Downs Colaizzo, für das er ebenfalls viel Lob und bereits eine erste Ehrung, den Publikumspreis beim Sundance Film Festival 2019, erhalten hat. Diese Auszeichnung passt in unsere Zeit, in der eine politisch korrekte Aussage oft mehr wert ist als der eigentliche künstlerische Wert eines Werks. Denn so löblich es auch ist, dass Colaizzo die Geschichte vom hässlichen Entlein endlich einmal anders aufzieht, seine Umsetzung des Stoffs ist ausbaufähig.

Colaizzos Tragikomödie beruht auf der wahren Geschichte seiner besten Freundin Brittany O'Neill. Auf dem Papier macht der Drehbuchautor und Regisseur alles richtig. Die Hauptfigur ist keine Schönheit, alle Nebencharaktere sind divers. Und ganz am Schluss erkennt Brittany (Jillian Bell) endlich, dass sie sich selbst und ihren Körper lieben kann, ganz gleich, wie die beiden sind. Doch all diese gut gemeinten Einzelteile wollen sich nicht zu einem gut gemachten Ganzen fügen, weil die Handlung deutlich zu viele Umwege nimmt und Colaizzo mit zu vielen Strängen jongliert. Nebenfiguren tauchen auf und wieder ab. Darunter leidet vor allen die Chemie, die gerade im so wichtigen Nebenstrang über Brittanys Beziehung zum Slacker Jern (Utkarsh Ambudkar) nie stimmt.

Die aus Nebenrollen und Kurzauftritten bekannte Jillian Bell ("Girls' Night Out", "22 Jump Street") macht ihre Sache gut, beweist ihr dramatisches Talent und bewirbt sich mit ihrer ersten Hauptrolle für weitere. Brittanys häufige, nicht immer nachvollziehbare Stimmungsschwankungen machen es Bell aber auch schwer, ihre Figur jederzeit glaubwürdig rüberzubringen. Die Nebendarsteller, allen voran Michaela Watkins und Micah Stock als Brittanys neue beste Freunde, kommen indes durch das viel zu oft den Fokus wechselnde Drehbuch deutlich zu kurz.

Kameramann Seamus Tierney taucht New York in ein warmes Licht. Visuell erinnert das an die optisch kaum unterscheidbare Flut von Streamingdienst-Komödien. Mit diesen hat Colaizzos Debüt letztlich auch das vorhersehbar Formelhafte gemein. Denn so anders sein Ansatz zu Beginn noch ist, am Ende hat seine Hauptfigur doch reichlich abgespeckt, sich dem gängigen Schönheitsideal angenähert und den gewohnten Weg beschritten, durch eisernen Willem zum Erfolg zu gelangen.

Fazit: Paul Downs Colaizzos Regiedebüt "Brittany Runs a Marathon" möchte anders sein, gerät am Ende aber zur gewohnt formelhaften Wohlfühldramödie. Hauptdarstellerin Jillian Bell ist ein Lichtblick in einem gut gemeinten Film, der erzählerisch, inszenatorisch und schauspielerisch viel Luft nach oben hat.




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