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Im Niemandsland
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Kritik: Im Niemandsland (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Am 9. November 2019 jährt sich der Fall der Berliner Mauer zum 30. Mal und die Gräben scheinen so tief wie nie. Was in der Euphorie über die deutsche Wiedervereinigung jahrelang zugeschüttet war, reißt immer stärker auf. Regisseur Florian Aigner hat die Ereignisse als damals 14-jähriger West-Berliner hautnah miterlebt. In einem Statement zu seinem Film erinnert er sich: "Innerhalb weniger Monate war die Stimmung gekippt. Ich habe mich immer gefragt, wie das passieren konnte. Wieso wurde dieser Glücksfall der Geschichte verschenkt? Liegt darin die Ursache, dass Deutschland heute noch gespalten ist?" Diesen Fragen geht Aigner in seinem ersten abendfüllenden Kinospielfilm nach. Er beantwortet sie mit einer differenzierten Liebes- und Familiengeschichte.

Als Ausgangspunkt dient Aigner, was er selbst als "Kardinalfehler der deutschen Einheit" bezeichnet, die entschädigungslose Rückgabe von enteignetem Grundvermögen an die ehemaligen Eigentümer oder deren Erben. Um einen solchen Streit hat der 1975 geborene Filmemacher seine Geschichte gebaut und mit einem gleichermaßen spannenden wie altbewährten Twist versehen. Seine zwei sich liebenden Hauptfiguren geraten zwischen die Fronten – wie Romeo und Julia bei William Shakespeare oder Pyramus und Thisbe in Ovids "Metamorphosen". Was beim antiken Dichter ein Spalt in der Wand war, durch den sich das Paar verständigte, ist bei Aigner das im Filmtitel benannte Niemandsland zwischen Ost und West, auf dem sich die Verliebten treffen.

Um alle Facetten der Umwälzungen nach dem Mauerfall abzudecken und alle Verwundungen aufzuzeigen, geraten Aigners Handlung und deren Wendungen mitunter zu formelhaft und vorhersehbar, die Figuren zu exemplarisch. Sein toller Cast, allen voran die Nachwuchskräfte Emilie Neumeister und Ludwig Simon, pointierte Dialoge und Armin Dierolfs schwungvolle Kamera, die die Wendezeit mit viel Zeitkolorit wiederauferstehen lässt, machen das wieder wett.

Fazit: "Im Niemandsland" ist eine schwungvolle, mit viel Zeitkolorit versehene Coming-of-Age-Geschichte über zwei verliebte Jugendliche und ihre familiären Verwerfungen während der Wendezeit. Handlung und Figuren geraten allerdings mitunter zu formelhaft und vorhersehbar.




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