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Der letzte Bulle
Der letzte Bulle
© Warner Bros.

Kritik: Der letzte Bulle (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Regisseur Peter Thorwarth führt mit "Der letzte Bulle" die Geschichte aus der gleichnamigen TV-Serie nicht einfach nur fort sondern erzählt sie – mit leicht verändertem Tonfall – noch einmal neu. Thorwarth wurde Ende der 90er-Jahre mit "Bang Boom Bang" bekannt und schuf mit "Was nicht passt, wird passend gemacht" einige Jahre später einen Ruhrpott-Kultfilm der frühen 00er-Jahre. "Der letzte Bulle" wurde im Herbst 2018 vor allem im Ruhrgebiet gedreht.

Ruppig, schroff und kernig – so lässt sich Publikumsliebling Henning Baum in seiner Paraderolle als grobschlächtiger Ruhrpott-Bulle am besten beschreiben. Auch in der Kino-Version von "Der letzte Bulle" tritt Brisgau gewohnt rau und kompromisslos auf und bedient sich dabei gewohnt altmodischer "Ermittlungsmethoden". Inklusive knackiger One-Liner und derber Sprüche. Die Fans der Serie, die zwischen 2010 und 2014 auf Sat.1 lief, wird’s freuen: Der Wiedererkennungswert ist hoch, selbst wenn Anspielungen auf die Serie, frühere Storylines oder bekannte Figuren kaum bis gar nicht vorhanden sind.

Auf der Leinwand funktioniert das Prinzip der Serie jedoch nicht ganz so gut, obwohl es nicht an rasanten Action-Sequenzen, Explosionen und Prügel-Szenen mangelt. Das Problem ist, dass Thorwarth mit seiner Geschichte ebenso wie den einzelnen Handlungssträngen und einigen Charakteren schlicht über die Stränge schlägt und es übertreibt. Klar, um auf der großen Leinwand bestehen zu können und das Kinoformat der Serie unter Beweis zu stellen, will er von allem mehr (mehr Gefühl, mehr Action, mehr Humor), doch wirkt dadurch vieles unglaubwürdig, überzeichnet oder unfreiwillig komisch. Etwa die klischeeüberladene, mehr als in Anflügen vorhandene Liebelei mit der neuen Kollegin oder das letztlich zu schematisch ablaufende Aufeinandertreffen mit den osteuropäischen Bösewichten.

Dennoch gerät "Der letzte Bulle" alles in allem kurzweilig und heiter. Das liegt in erster Linie an den augenzwinkernden Szenen mit Ralf Moeller, der Brisgau als "persönlicher Coach" nach einem Vierteljahrhundert im Koma wieder fit macht – mittels wunderbar unkonventioneller Methoden. Außerdem funktioniert das Zusammenwirken von Baum und Maximilian Grill ganz vorzüglich. Die beiden unterschiedlichen Männer agieren in bester "Buddy"-Komödien-Manier á la "Lethal Weapon" oder "Rush Hour", wenn sie unentwegt am streiten und vom anderen genervt sind und sich die ein oder andere Gemeinheit leisten.

Fazit: Teils übertriebene, über die Stränge schlagende "Buddy"-Komödie, die dennoch launig und kurzweilig geraten ist und mit einem spielfreudigen Cast überzeugt.




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