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Kritik: Yung (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

In seinem Spielfilmdebüt erkundet der Regisseur Henning Gronkowski das Lebensgefühl jugendlicher Berliner Partygängerinnen. Sein Drehbuch basiert auf Erlebnissen und Erzählungen der vier Laiendarstellerinnen, die sich in den Hauptrollen selbst spielen. An dieser Schnittstelle zwischen Dokumentarischem und fiktionalem Verdichten oder Weiterspinnen entsteht ein authentisches Porträt einer Generation an der Schwelle zum Erwachsensein, welche die Nächte durchmacht mit "Sex, Drugs and Rock‘n‘Roll". Allerdings ist an die Stelle des Rock‘n‘Rolls der Elterngeneration längst Technomusik getreten. Der Titel ist ein Eigenschaftswort, das soviel wie cool bedeutet und damit die Selbsteinschätzung dieser Jugendlichen treffen dürfte, die rastlos und zugleich unwahrscheinlich souverän und selbstbestimmt wirken.

Janaina und ihre Freundinnen tanzen also in Clubs, auf Strandpartys, tröpfeln sich gegenseitig mit der Pipette eine aufputschende Droge in den Mund. Sie ziehen weiße Pülverchen durch die Nase, lassen Joints kreisen, trinken Bier oder Härteres. Am Morgen liegen sie, in einem besonders malerisch arrangierten filmischen Bild, aneinandergelehnt, halb übereinanderliegend in der S-Bahn auf dem Weg nach Hause. Erst ganz am Schluss werden sie im Kreis ihrer Familien gezeigt, die Schule, die sie besuchen, bleibt ebenfalls außen vor. Für die Vier ist Freizeit alles, was zählt.

Wenn sie in Clubs tanzen, fluten der Farbenrausch, das Stroboskoplicht die Aufnahmen, die manchmal in einen durch Zeitlupe hervorgerufenen Schwebezustand zu geraten scheinen. Eine lesbische Liebesszene inszeniert Gronkowski so erotisch, als wollte er "Blau ist eine warme Farbe" Konkurrenz machen. Auch Janainas erotische Selbstaufnahmen werden ausgiebig geschildert. Die sexuelle Freizügigkeit wirkt ebenso schockierend wie der Drogenkonsum. Denn dass Jugendliche im Zeitalter sozialer Medien sogar die Preisgabe ihrer Intimsphäre als Selbstverwirklichung begreifen, passt so gar nicht in die Vorstellungswelt älterer Generationen.

Manchmal sprechen die vier Mädchen auch direkt in die Kamera, über sich selbst, das feierwütige Berlin. Ein junger Mann, der als Nebenfigur vorkommt, ist von dem Vergnügungskarussell schon ziemlich angeödet und auch die Mädchen strahlen in ihrer Konsumfreude selten echte Begeisterung aus. Sie haben Zugang zu allem, was das Nachtleben bieten kann, sind freizügig und zugleich irgendwie enttäuscht.

Fazit: Sie feiern, als gäbe es kein Morgen, sie experimentieren freizügig mit Sex und Drogen und gehen noch zur Schule. Die vier jugendlichen Frauen, die der Regisseur Henning Gronkowski in seinem Spielfilmdebüt durch das Berliner Nachtleben begleitet, sind im Grunde nur halbfiktionale Charaktere. Sie werden gespielt von Laiendarstellerinnen, die die Rollen anhand eigener Erlebnisse entwickeln halfen. Das Ergebnis ist ein pulsierendes, irritierendes Porträt einer hedonistischen Generation zwischen Rausch und Vergnügungstrott.




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