VG-Wort

oder

Kritik: Ich bin Anastasia (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Thomas Ladenburgers Dokumentarfilm handelt vom Wandel, von der Transition einer Person im Speziellen und von Veränderungen in unserer Gesellschaft im Allgemeinen. Dabei blendet er Vorurteile nicht aus. Die Skepsis in der Truppe, was da in Form von Anastasia Biefang als neuer Kommandeurin auf sie zukomme, war groß. Viele der für den Film Interviewten geben das offen zu. Dem entgegen steht wiederum die Offenheit, mit der Anastasias Vorgesetzte auf ihre Entscheidung reagierten. In der Rückschau ist auch sie selbst darüber verblüfft.

Ladenburger ist ein bewegendes Porträt gelungen, das vornehmlich von großartigen Typen lebt. Anastasia Biefang wählt ihre Worte mit Bedacht, analysiert klug und regt dadurch zum Nachdenken an, rührt aber auch zu Tränen. Ihre Lebensgefährtin Samanta, die später zu ihrer Frau wird, hat stets ein Lachen und einen ironischen Spruch auf den Lippen, ohne die Sache auf die leichte Schulter zu nehmen. Und Kampfpilotin Christiane Meiners, die ihre Geschlechtsanpassung Jahre vor Anastasia vollzogen hat, erinnert daran, dass das bei der Bundeswehr nicht immer so leicht war. Hasskommentare im Netz zeigen wiederum, wie schwer es Transgender auch heute noch haben.

Nebenepisoden wie die mit Meiners kommen erzählerisch allerdings etwas ungelenk daher. Und auch inszenatorisch wäre mehr drin gewesen. Ladenburger zeigt Anastasia wiederholt sehr ausführlich bei ziemlich uninteressanten Tätigkeiten. Auch Einstellungen, in denen sie lediglich von A nach B geht, werden den Eindruck nicht los, schlicht Füllbilder zu sein.

Fazit: Thomas Ladenburger ist ein bewegendes Porträt einer Frau gelungen, die sich erst spät im Leben für ihr Geschlecht entschieden hat. Der erzählerisch und inszenatorisch nicht immer überzeugende Dokumentarfilm punktet besonders mit seinen großartigen Typen.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.