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Die glitzernden Garnelen
Die glitzernden Garnelen
© Salzgeber & Co. Medien GmbH

Kritik: Die glitzernden Garnelen (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Schreibt das Leben die besten Geschichten? Zumindest kommt sehr Komisches und Berührendes heraus, wenn Drehbuchautoren dem Leben auf die Finger schauen. Ein Motiv, das die jüngere europäische Komödie dabei für sich entdeckt hat, sind Männer im kühlen Nass. Tatsächlich existierende schwedische Sportler, die zu Synchronschwimmern umschulten, fanden bislang schon vier Mal den Weg ins Kino: im Dokumentarfilm "Men Who Swim" (2010) und unter den deutschen Titeln "Männer im Wasser" (2008), "Swimming with Men" (2018) und "Ein Becken voller Männer" (2018) in einer schwedischen, einer englischen und einer französischen Komödie.

Auch "Die glitzernden Garnelen" baut auf wahren Erlebnissen auf. Cédric Le Gallo, einer der zwei Regisseure, hat sie mit seiner schwulen Wasserballmannschaft gesammelt. Genügend Gelächter erzeugt auch diese Sportart. Denn statt Profis sieht das Kinopublikum einer Gruppe Amateure zu. Für die Thekentruppe steht der Spaß an erster Stelle. Dementsprechend ungelenk sind die Wasserübungen, entsprechend ausufernd die Feiern nach den Wettkämpfen. Das Regieduo Maxime Govare und Le Gallo, die gemeinsam mit Romain Choay an ihrem Drehbuch gearbeitet haben, belassen es glücklicherweise nicht bei Blödeleien. Zwischen Slapstick, Klamauk und Exzesse mischen sich ernste Töne.

Erzählerisch befolgt diese Komödie alle Genreregeln. Der Fauxpas der Hauptfigur setzt die Handlung in Gang und besorgt unterwegs die nötige Reibung. Weitere Gegensätze innerhalb der Mannschaft verschärfen die Situation. Doch Gemeinschaftserlebnisse stärken die Moral der Truppe. Selbstredend ist der widerwillig-wilde Ritt für alle Beteiligten eine Reise zu sich selbst. An deren Ende erkennt auch der Protagonist, dass es besser ist, gemeinsam zu verlieren als einsam und allein zu gewinnen. Seine Bestrafung ist zu einer Belohnung geworden. Trotz aller Vorhersehbarkeit überrascht die Handlung wiederholt. Besonders die ausgesprochen pragmatische Sicht der Wasserballer auf das Leben ist ein großes Plus.

Govares und Le Gallos größtes Verdienst ist jedoch die Vielfalt und Selbstverständlichkeit, mit der sie schwules Leben und Lieben dank eines tollen Ensembles voller Charakterköpfe abbilden. "Die glitzernden Garnelen" zeigt keine heile Welt, sondern ganz normale Menschen mit alltäglichen Problemen. Ehefrust und Vaterfreuden, junge Liebe und Altersängste, Solidarität und Neid, Toleranz und Diskriminierung gehören ebenso dazu wie Krankheit und Tod. Dass Letztgenannter nicht nur Grund zum Trauern ist, sondern auch als eine Feier des Lebens begriffen werden kann, beweisen die Regisseure in einer fabelhaften, zu Tränen rührenden und toll choreografierten Schlusspointe.

Fazit: Eine Komödie voll sympathischer Charakterköpfe, die schwules Leben und Lieben in all ihrer Vielfalt und Alltäglichkeit abbildet. Trotz tragischer Momente eine Feier des Lebens und der Toleranz mit einer zu Tränen rührenden Schlusspointe.




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