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Rotschühchen und die sieben Zwerge
Rotschühchen und die sieben Zwerge
© 24 Bilder / Splendid Film GmbH

Kritik: Rotschühchen und die sieben Zwerge (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Dieser südkoreanische Animationsfilm präsentiert eine völlig neue, recht eigenwillige Version des Märchens von Schneewittchen. Er fügt der Geschichte auch Figuren und Motive aus anderen Märchen und Sagen hinzu. So sind die sieben Zwerge mit einem Fluch belegte Prinzen, die wie einst der Froschkönig nur durch einen Kuss einer bestimmten Frau erlöst werden können. Zwei dieser Prinzen sind aus der englischen Artussage entsprungen. Die originellste Idee dieses turbulenten Abenteuers aus der Feder von Sungho Hong, der auch Regie führte, ist jedoch der Bruch mit dem Schönheitsideal von Prinzessinnen.

Schneewittchen ist ein stämmiges Mädchen, das kräftig austeilen und schwere Felsbrocken heben kann. Aber als sie die roten Schuhe anzieht, bekommt sie die Figur, mit der sie allen Männern den Kopf verdreht. Als verzaubertes Rotschühchen gefällt sich Schneewittchen folglich ganz gut. Aber Merlin geht es genau umgekehrt, der Zwerg möchte sich wieder in den attraktiven zurückverwandeln, in den sich Rotschühchen verlieben könnte. Wer gut ist, muss in dieser Geschichte aber nicht automatisch auch schön sein. Rotschühchen gewinnt den Zwergen-Merlin richtig lieb, den der putzige kleine Kerl mit den magischen Kräften steht ihr unermüdlich bei im Kampf gegen ihre Verfolger. Merlin und Artus rivalisieren um Rotschühchens Gunst und halten immer erwartungsvoll den Atem an, wenn es so aussieht, als würde sich die junge Frau gleich zum ersehnten Kuss hinreißen lassen. Das sorgt wiederholt für Komik.

Zur actionreichen Handlung mit Kämpfen gegen Prinz Mittelmaß und seine Soldaten gehören auch Holzhasen verschiedener Größe und andere Holzwesen, die an das "Nussknacker"-Ballett erinnern. Die Schnitte folgen manchmal so abrupt, dass man sich selbst die eine oder andere Wendung erschließen muss. Die Fülle verfremdeter Märchenmotive, der schnodderige oder ironisierende Ton vieler Dialoge und das trubelige Geschehen ergeben keine leicht konsumierbare Kost, gerade für kleine Kinder nicht. Es geht drunter und drüber, und so lassen sich auch zur Bedeutung weiblicher Schönheit, Schlankheit und Jugend durchaus widersprüchliche Aussagen vernehmen. Allerdings schafft es der Film, das pummelige Schneewittchen so sympathisch zu zeichnen, dass es sich vor seiner modelhaft schönen Rotschühchen-Version nicht zu verstecken braucht.

Fazit: Schneewittchen stellt sich jedes Kind als schöne schlanke Prinzessin vor, doch macht es das Märchen kaputt, wenn die Königstochter ein rundes Gesicht und eine füllige Statur hat? In dieser eigenwilligen Neuversion des Grimmschen Märchens stellt der koreanische Regisseur und Drehbuchautor Sungho Hong Klischees über das Aussehen guter Märchenfiguren infrage und mischt munter Motive aus verschiedenen Märchen und Sagen neu zusammen. Das actionreiche, mit ironischer Komik versetzte Animationsabenteuer besitzt originellen Charme, mutet aber zuweilen recht sprunghaft an.




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